Medien : Sag zum Abschied laut „Rock“

Arte erinnert sich mit Paul McCartney an die Beatles

Thomas Gehringer

Es war im Juli 1957, als der 15-jährige Paul McCartney auf einem Gemeindefest in Woolton bei Liverpool den Auftritt einer Gruppe junger Musiker erlebte. Schließlich griff Paul selbst zur Gitarre, gab „Twenty Flight Rock“ von Eddie Cochran zum Besten und beeindruckte damit den knapp zwei Jahre älteren John Lennon – es war eine der folgenreichsten Begegnungen der jüngeren Musikgeschichte. Beinahe 50 Jahre später hat Paul ihn immer noch drauf, den Rock’n’Roll der fünfziger Jahre. Wer’s nicht glaubt, sollte heute mal bei Arte vorbeischauen: „Twenty Flight Rock, das Lied, das mich zu den Beatles brachte“, gehörte zu den Songs, die McCartney im vergangenen Jahr bei einem Solokonzert vor kleinem Publikum in den Londoner Studios an der Abbey Road präsentierte. Arte zeigt die einstündige Doku über diese einzigartige Show unter dem Titel „Paul McCartney: Chaos and Creation at Abbey Road“.

Im September 2005 hatte McCartney das Album „Chaos and Creation in the Backyard“ veröffentlicht, und der Auftritt in den legendären Studios, wo bereits die Beatles ihre Hits eingespielt hatten, war wohl auch als Promotion gedacht. Doch an diesem besonderen Ort gerät das Minikonzert zu weitaus mehr, zu einem wunderbaren Mix aus Beatles-Nostalgie und neuen Arbeitsproben, aus Werkstattatmosphäre und historischer Instrumentenschau. Auf dem Original-Bass des Elvis-Presley-Bassisten Bill Black zupft McCartney „Heartbreak Hotel“, und neben seinem eigenen Höfner-Bass packt er noch eine alte Vierspurmaschine und ein Mellotron aus, die bereits bei den Beatles zum Einsatz kamen. Paul steht allein auf der Bühne, nur sein Produzent Nigel Godrich mischt mit. McCartney spielt alle Instrumente selbst, neben Bass vor allem Klavier und akustische Gitarre, auch ein wenig Schlagzeug. „Blackbird“ ganz klassisch, aber „Lady Madonna“ als „alte Lady in neuen Kleidern“, wie er sagt, in einem schwermütigen, berührenden Sound. Dazu einige „Chaos and Creation“-Songs wie „Friends to Go“, „English Tea“ und das wunderbare „Jenny Wren“.

Alles fügt sich harmonisch zusammen. Der heute 64-jährige Paul McCartney schlägt einen Bogen von fast 50 Jahren, plaudert ein bisschen und scheint dabei seine einstigen Gefährten der „Fab Four“ zu vermissen. Das wird allen Beatles-Nostalgikern gefallen. Zudem stört keine lästige Scheidungskriegsgeschichte die Liebhaberei. Nur Musik zählt an diesem Arte-Abend, der von dem Beatles-Film „A Hard Day’s Night“ passend eingeleitet wird.

„A Hard Day’s Night“, Arte, 20 Uhr 40; „Paul McCartney: Chaos and Creation at Abbey Road“, 22 Uhr 10

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