Medien : „Sagen Sie nicht, dass ich spinne“

Seit 48 Jahren schreibt er mit: Rüdiger Hampel, ein Fan

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Wer schaut eigentlich noch „Das Wort zum Sonntag“? Nun, Rüdiger Hampel zum Beispiel. Der Düsseldorfer ist 64 und „Fan des ,Worts zum Sonntag‘“, wie er selbst sagt .

Herr Hampel, haben Sie damals das erste „Wort zum Sonntag“ gesehen?

Nein, die erste Sendung habe ich 1956 gesehen. Sagen Sie nicht, dass ich spinne, aber ich bin seitdem ein richtiger Fan des „Worts zum Sonntag“. Weil es immer vom christlichen Standpunkt aus zu aktuellen politischen und menschlichen Problemen Stellung genommen hat – und ich war immer ein politischer Mensch. Als Protestant schaue ich überwiegend das evangelische „Wort“, so zirka 1250 Sendungen und 70 verschiedene Pastoren habe ich in diesen 48 Jahren gesehen.

Können Sie sich noch an ein paar Botschaften erinnern?

Natürlich, die prägnantesten Sätze habe ich auf meiner Schreibmaschine mitgeschrieben. Das sind 40 Seiten, so drei, vier Sätze pro Sendung. Georg Picht hat zum Beispiel am 22. Februar 1969 Folgendes gesagt: „Die Jugend zweifelt an der Wahrhaftigkeit und der Gerechtigkeit unseres Staatswesens.“ Das war damals für mich etwas Tröstendes, etwas Offenes und Direktes. Und das ist heute noch aktuell! Den bekanntesten Pfarrer, Adolf Sommerauer, habe ich mir dagegen immer mit Wut angehört. Der hat 1975 mal gesagt: „Bei nicht rosiger Wirtschaftslage sollte man sparen, ohne sich arm zu fühlen.“ Wahnsinn – so ein Gesülze! Das hat mich richtig geärgert.

Kennen Sie noch jemanden, der „Das Wort zum Sonntag“ schaut?

Meine Lebensgefährtin ist katholisch, die guckt das katholische „Wort zum Sonntag“. Wir unterhalten uns darüber und streiten auch oft, aber wir schauen immer getrennt. Jeder hat seine eigene Wohnung. Wir haben auch nie geheiratet, weil keiner seine Kirche aufgeben wollte. Aber heute, zum 50., da sprechen ja jeweils ein Katholik und ein Protestant. Das gucken wir uns gemeinsam an.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Dass wieder Schärfe reinkommt. Die Mächtigen werden überhaupt nicht mehr angegriffen, es ist alles so lauwarm. Manchmal fühle ich mich an Zahnpastareklame erinnert. Der Tiefpunkt war, als man so einen Showmaster wie den Jürgen Fliege sprechen ließ. Vielleicht sollte man mal Pastoren aus den neuen Bundesländern nehmen. Ich denke, die sind sozialer, aktueller und mutiger.

Aufgezeichnet von Christian Hönicke.

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