Saisonauftakt in Melbourne : Schumi statt Lauda

Zum Saisonstart der Formel 1 musste RTL ohne den Österreicher auskommen. Dafür kam eine prominente Aushilfe zum Einsatz. Eine TV-Kritik von Kurt Sagatz.

Kurt Sagatz

Das erste Rennen der Saison im australischen Melbourne war etwas für echte Formel-1-Fans – nicht nur wegen des überraschenden Ausgangs. Einerseits hieß es durch die Sommerzeit-Umstellung für die Zuschauer, dass sie noch etwas früher aufstehen mussten. Andererseits war da das neue Reglement. Nicht nur für die Fahrer bedeutet dies: Mehr Köpfchen für die Knöpfchen.


RTL offenbarte im „Warum up“ einige weiße Flecken auf der Formel-1-Landkarte: Viel wurde über deutsche Fahrer und Teams gesprochen, aber wenig über das Überraschungsteam von Superhirn Ross Brawn und den neuen Virgin-Sponsor Richard Branson. Diese Bilder hob man sich offenbar für die Siegerehrung auf. Und dann musste RTL-Rennkommentator Christian Danner auch noch an der Seite von Florian König den Job von Niki Lauda übernehmen. Der 60-Jährige hatte sich bei einem Sturz unglücklich an der Hüfte verletzt und musste für eine Operation in Wien bleiben. Die Zuschauer wurden entschädigt: Beim Gang durch die Boxengasse kamen König und Danner ganz nah an die Red-Bull-Renner und durften mit dem Maßband die neuen Frontflügel vermessen.

 

Überhaupt hatte RTL sich und die Zuschauer mit netten 3D-Multimedia-Präsentationen gewohnt professionell auf die F1-Neuerungen vorbereitet. Im Gleitflug zogen gemorphte Frontflügel durchs Fernsehbild, und die Funktion des neuen Energierückgewinnungssystems wurde anschaulich im Lehrfilm illustriert. Im Rennverlauf spielte das menschliche Element allerdings eine weitaus gewichtigere Rolle als alle Technik – zum Glück.

 

Eines blieb ohnehin beim Alten. Florian König hatte es dem Tagesspiegel ja schon verraten – und tatsächlich ließ Boxen-Reporter Kai Ebel in der Kleiderfrage erneut keine Zurückhaltung walten. Zum weißen Hemd mit gelben und schwarzen Flecken schwenkte er eine schreiend rosarote Krawatte im 16:9-Breitbild-Format durchs Bild. Ungewohnter als der Dress war allerdings die Begleitung, mit der Ebel durch die Startaufstellung ging: Michael Schumacher in den gewohnten Ferrari-Farben. Der Ex-Weltmeister war freilich wenig überrascht von der Schnelligkeit und Zuverlässigkeit der Brawn-GP-Autos. Dafür kennt der Ex-Weltmeister seinen ehemaligen Ferrari-Teamchef zu gut.

 

Und dann bekam RTL auch noch die Bilder, auf die man in Köln so sehnlich gewartet hat. Michael Schumacher und Sebastian Vettel in herzlicher Begrüßung. Wie sehr würde man es sich wünschen – und da geht RTL mit seinen Zuschauern konform -, dass Sebastian Vettel der Nachfolger von Michael Schumacher würde.

 

Sportlich wurde am Sonntagmorgen das komplette Programm geboten, angefangen mit diversen Start-Remplern und anderen spektakulären Abflügen -  fast wäre das Rennen sogar hinter dem Safety-Car beendet worden, nachdem Sebastian Vettel und Robert Kubica Platz zwei und drei in einem unnötigen Crash verschenkten.  Währenddessen fuhr Brawn-Mann Jenson Button ein Rennen für sich mit einem nahezu ungefährdeten Start-Ziel-Sieg. Platz zwei belegte Teamkollege Rubens Barrichello vor Jarno Trulli vom Toyota-Team. Kurt Sagatz

 

0 Kommentare

Neuester Kommentar