Saisonstart : Stadion am Volkspark

Mehr denn je ist die Fußball-Bundesliga ein Medien- und Werbe-Spektakel. Doch längst nicht alle Sender unterstützten das Namenssponsoring.

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Teuer erkauft. Mit 5,3 Millionen Zuschauern im Schnitt ist die Bundesliga-„Sportschau“ (hier mit Gerhard Delling) die beliebteste Sportsendung im deutschen Fernsehen. Foto: WDR
Teuer erkauft. Mit 5,3 Millionen Zuschauern im Schnitt ist die Bundesliga-„Sportschau“ (hier mit Gerhard Delling) die beliebteste...Foto: WDR/Fulvio Zanettini/Herby Sachs

Linie 180: S-Holstenstr. – S-Stellingen – Imtech Arena Haltestelle: Am Volkspark. Wenn am Samstagabend in Hamburg Zuschauer, Radio-, Zeitungs- und Fernsehreporter zum „Topspiel des Tages“ Hamburger SV gegen Schalke 04 ins Stadion am Volkspark kommen, dürfte es für sie eine Art Déjà-vu geben. Ein niederländischer Gebäudeanlagenbauer ist neuer Stadionsponsor des HSV und hat dem Traditionsverein damit die dritte Namensänderung in vier Jahren beschert. Die Kollegen von Radio Hamburg schert das nicht. Sie wollen das Namenssponsoring boykottieren und „das Zuhause von Trainer Veh und seinen Jungs ab jetzt, wie es auch die Fans in Umfragen fordern, Volksparkstadion“ nennen.

Volksparkstadion, das klingt wie zu 1970er-Jahre-Zeiten mit „Sportschau“-Legende Ernst Huberty. Der Auftakt zur Fußball-Bundesliga-Saison 2010/2011 – das ist ein Medienspektakel, im Kleinen auf dem Radiomarkt, und im Großen mit dem Auftaktspiel Bayern München gegen VfL Wolfsburg heute gleich mal komplett live im Ersten. Am Bundesliga-Fernseh-Fahrplan insgesamt hat sich nicht allzu viel geändert, wenn man davon absieht, dass der „Sportplatz“, die regionale Sportsendung im Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) am Sonntag, 22 Uhr, mit den beiden Erstligaspielen vom Sonntag um 15 Minuten erweitert wurde. Im Unterschied zur Vorsaison, als, unter Protest, der neue Spieltag mit fünf verschiedenen Anstoßzeiten eingeführt wurde. Was zu diversen Verschiebungen im Programm von ARD, ZDF und Sky führte, die dafür insgesamt rund 420 Millionen Euro an die Deutsche Fußball Liga (DFL) überweisen.

Das Geld, das Fernsehen und die Liga – die meisten Fans scheinen sich an die Verhältnisse gewöhnt zu haben. Wer sich den Pay-TV-Sender Sky leistet, kann weiterhin 27 Stunden und 45 Minuten Fußball am Wochenende gucken. Alle 612 Saison-Spiele live, auch in Konferenzschaltung. Für die Puristen gibt es, wie seit Jahrzehnten gewohnt, die Bundesliga-Sendung im regionalen Hörfunk am Samstagnachmittag, beispielsweise im RBB-Inforadio ab kurz nach drei. Die ARD-„Sportschau“ startet im Fernsehen mit der Erstzusammenfassung der Nachmittagsspiele um 18 Uhr, zunächst mit Berichten aus der Dritten und Zweiten Liga, ab 18 Uhr 45 mit der Bundesliga. Das „Aktuelle Sport Studio“ folgt um 22 Uhr 45 exklusiv mit dem „Top-Spiel“ HSV gegen Schalke. Am Sonntag, zuguterletzt, rollt der Ball in den Dritten Programmen, zumeist ab 21 Uhr 45.

Dezidiert aus dem „Volksparkstadion“ werde dabei aber nicht berichtet. Stichwort Schleichwerbung, gesponserte Stadien. „Alle Beteiligten, Moderatoren, Reporter, Redakteure üben sich da in Zurückhaltung“, sagt ZDF-„Sportstudio“-Leiter Thomas Fuhrmann. Viel wichtiger sei es, den Ärger vieler Fans aufzufangen, die am Samstagabend auf das Top-Spiel im Free-TV ein paar Mal bis kurz vor Mitternacht warten mussten, unter anderem bei der Partie HSV gegen Bayern München. Das sei beim ZDF nicht im Sinne des Erfinders, so Fuhrmann, nach einer Live-Sendung wie ,Wetten, dass...?“ aber auch nicht zu ändern.

Die Sorgen hat die ARD nicht. 18 Uhr ist und bleibt „Sportschau“-Zeit. In der vergangenen Spielzeit erreichte die Bundesliga-„Sportschau“ durchschnittlich 5,3 Millionen Zuschauer und blieb damit die beliebteste Sportsendung im deutschen Fernsehen. Auch wenn sich die ARD selber einen Teil ihrer teuren Fußball-Exklusiv-Rechte (Insider schätzen die Kosten auf rund 100 Millionen Euro per anno) über Format-Sponsoring am Anfang und Ende der Sendung refinanzieren muss – die Sache mit den Stadien-Namen nervt schon ein wenig. „Mit Namen, die werblichen Charakter haben, müssen wir Journalisten der ,Sportschau’ sehr sensibel umgehen“, sagt Gerhard Delling. Deshalb versuche der Moderator, Firmennennungen zu vermeiden, es sei denn, ein Sachverhalt lässt sich so nur schwer beziehungsweise missverständlich beschreiben. Eine offizielle Sprachregelung gebe es nicht. Es werde den „Sportschau“-Moderatoren und -Reportern freigestellt, ob sie den tatsächlichen Namen des Stadions nennen oder ob sie das eher neutral halten.

Da ist der RBB knallhart. „Im Inforadio umgehen wir gesponserte Stadionnamen seit Jahren“, sagt Sportchef Hans-Jürgen Pohmann. Man gebe strikt „neutral“ ab zu den Reportern in die Stadien nach Dortmund oder Hamburg. Oder ins gute, alte Berliner Olympiastadion, in die Zweite Liga.

Fußball-Bundesliga live: Bayern München - VfL Wolfsburg, ARD, 20 Uhr 15

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