Saisonstart : Wann wird es endlich Herbst?

Mit „Traumhochzeit“, „Dallas“, Castingshows und neuen Serien möchte RTL Marktführer bleiben.

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Auch ohne Hut kann „Dallas“-Star Larry Hagman als J. R. Ewing (rechts), hier mit Josh Henderson, böse aussehen. RTL strahlt die neuen Folgen der US-Serie ab 2013 aus. Foto: TNT
Auch ohne Hut kann „Dallas“-Star Larry Hagman als J. R. Ewing (rechts), hier mit Josh Henderson, böse aussehen. RTL strahlt die...Foto: dapd

Ein Sport-Jahr ist anstrengend für einen Sender ohne die großen Sport-Rechte. „Ich bin froh, wenn der Sommer vorbei ist“, sagte RTL-Chefin Anke Schäferkordt am Donnerstag in Köln. Die Quoten sind auf dem Sinkflug, 16,5 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen beträgt der Marktanteil im Jahr 2012 bisher und liegt damit niedriger als in den beiden vergangenen Jahren. In der zukünftig relevanten Zielgruppe der 20- bis 59-Jährigen ist der Marktanteil mit 15,3 Prozent noch etwas kleiner. Wegen Fußball-EM und Olympia, aber nicht nur, wie auch Schäferkordt zugab. Als Gründe nannte sie die immer zahlreicheren Fernsehsender und die Nachahmer bei der Konkurrenz, die die erfolgreichen Nachmittagskonzepte kopiert hätten. Neue Rekordjahre erwartet sie nicht. Bei RTL zieht Bescheidenheit ein. Nun gilt es, den „komfortablen Vorsprung“ (Schäferkordt) vor der Konkurrenz zu verteidigen.

Die RTL-Chefin kündigte eine „Entwicklungsoffensive in allen Bereichen“ an, doch in manchen Bereichen wirkt das Programm eher wie eine Entwicklungsdefensive. Bei den Shows etwa gibt es die üblichen Fortsetzungen von „DSDS“, Dschungelabenteuer, „Let’s Dance“ und natürlich dem „Supertalent“, was den Sender immerhin dank Neujuror Thomas Gottschalk und dem Unfall von Michelle Hunziker in den Schlagzeilen hält. Und sonst? Die „Traumhochzeit“ wird neu aufgelegt, diesmal moderiert von Susan Sideropoulos und Yared Dibaba. Und Promis müssen Aufgaben im Dunkeln lösen („Total Blackout“).

Offensiv wird RTL allerdings in der Fiktion. Ein Neustart von gleich fünf eigenproduzierten Serien, davon war der Sender in vergangenen Jahren weit entfernt. Zwei Sitcoms sind dabei: „Die neuen Abenteuer der alten Christine“ mit Diana Amft als geschiedene Mittdreißigerin mit Liebesfrust und dem Bürospaß „Sekretärinnen – Überleben von neun bis fünf“. In Serie gehen „Der Lehrer“ mit Hendrik Duryn und „IK1 – Touristen in Gefahr“. Hinzu kommt ein Actionkracher in internationaler Koproduktion: „Transporter“ mit Chris Vance. Die Lücke von „Dr. House“ und „Monk“ müssen die Wiedergeburt von „Dallas“ mit einem ergrauten, aber weiter fiesen J. R. Ewing alias Larry Hagman sowie die US-Krimiserie „Person of Interest“ füllen.

Auf dem weiten Feld der Real-Life-Formate will sich RTL mit dem „Aufdecken gesellschaftlicher Missstände“ profilieren. Das sieht dann so aus: Koch Christian Rach steckt seine Nase in Schulkantinen und Mülltonnen („Rach deckt auf“) und bei „Ärztepfusch? Dr. Gardain klärt auf“ geht es um fragwürdige Diagnosen. Außerdem widmet sich der Sender verstärkt dem Thema Armut – auf seine Weise. So reist Peter Kloeppel für die Reportage „Armes Deutschland, reiches Deutschland“ durch eine „sozial gespaltene Republik“, wie der Untertitel verheißt. Auch damit weiß RTL umzugehen. In „Secret Millionaire“ lebt ein Millionär eine Woche lang als Hartzer in einem armen Stadtviertel, um sich am Ende mit einer Spende wieder ins reale Wohlstandsleben zu verabschieden.

Das gibt schöne, fernsehgerechte Freudentränen.

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