Medien : Saitenspiel

Sandra Dassler

Es ist nicht die erste Liebeserklärung an die Gitarre. Aber eine, die man nicht mehr vergisst. Kraftvoll sind Érik Orsennas Bilder, in denen er diese Geschichte der Menschheit erzählt: vom langsamen Erwachen im alten Ägypten bis zum gnadenlos kommerzialisierten Musikbetrieb, der Jimi Hendrix groß und kaputt machte.

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Ein Medizinstudent erbt eine alte Gitarre. Als er sie dem Instrumentenbauer zurückbringen will, wird jener wütend, schließlich bekommt man „eine Gitarre nie zufällig geschenkt“. Wie eine Geliebte nimmt der junge Mann die Gitarre mit ins Bett, wie ein Liebhaber lernt er, sie zum Klingen zu bringen. Und wie jede Frau, die sich geliebt fühlt, offenbart sie ihm ihre Seele. Nimmt ihn mit in die Vergangenheit, zu jenen Menschen, die ihre Meister waren. Da ist der sanftmütige Spanier, der den Inkas ihre Lebensfreude zurückgibt, nachdem seine Landsleute ihr Reich zerstörten. Da ist Joan Amat, der mit dem ersten Gitarrenlehrbuch den Bewohnern Barcelonas die beste Medizin verabreicht, um die Folgen der Pest zu überwinden. Da ist Luigi Legnani, der es sogar mit dem Teufel, sprich: mit Paganinis Geige aufnimmt.

Wie schon in seinem „Porträt eines glücklichen Menschen – Der Gärtner von Versailles“ mischt Orsenna in impressionistischen Episoden Realität und Fantasie. Sein Bruder, der Gitarrist Thierry Arnoult, hat ihn dabei beraten. Man muss kein Gitarrenspieler sein, um sich verzaubern zu lassen. Und wie jeder erfahrene Liebhaber lässt der Autor der Gitarre noch ein paar Geheimnisse.

Érik Orsenna: Eine Geschichte der Welt in neun Gitarren. Roman. Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller. C. H. Beck Verlag, München. 103 Seiten, 12, 90 €.

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