Medien : Salomon Korn im Gespräch: "Das halte ich aus"

Herr Korn[manche sagen: "Der Spiegel" war nach de]

Salomon Korn, geboren 1943, ist Architekt und als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt Nachfolger von Ignatz Bubis.

Am vergangenen Sonntag, seinem 77. Geburtstag, sollte "Spiegel"-Herausgeber Rudolf Augstein in Frankfurt am Main den Ludwig-Börne-Preis entgegennehmen. Der Preis gilt als der wichtigste, den ein Journalist in Deutschland bekommen kann. Die Zeremonie wurde abgesagt: Augstein ist krank. Oder gab es andere Gründe? Börne, geboren 1786 in Frankfurt, liberaler Essayist, war Jude. Salomon Korn, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Frankfurt, ist zugleich stellvertretender Vorsitzender der Börne-Stiftung, die den Preis vergibt.

Herr Korn, manche sagen: "Der Spiegel" war nach dem Krieg eine Art Fluchtburg für ehemalige SS-Leute. Und in manchen Augstein-Texten gebe es einen antisemitischen Ton. Dies sei der Grund für die Absage.

Nein. Ich habe mit Stefan Aust und mit Franziska Augstein telefoniert, seiner Tochter. Der Vater ist krank, er kann nicht reisen. Augstein hat großen Wert darauf gelegt, den Preis selber entgegenzunehmen, und zwar an seinem Geburtstag. Wir haben vorgeschlagen, dass seine Tochter es für ihn machen könnte, nein, er wollte selbst.

Was halten Sie von den Vorwürfen?

Der "Spiegel" und Herr Augstein sind natürlich der Kritik ebenso ausgesetzt wie jeder und alles in diesem Land. Sicher, ich habe gelegentlich bei Augstein Formulierungen gelesen, über die ich mich gewundert habe. Aber das war im Rahmen dessen, was man aushalten muss in einer Demokratie.

Die SS-Leute im frühen "Spiegel" ...

Der eine oder andere ist da wohl untergekommen.

Der Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister behauptet, Augstein habe dazu beigetragen, die Strafverfolgung von NS-Tätern zu blockieren.

Bei solchen Behauptungen kann ich den Wahrheitsgehalt nicht überprüfen.

Hätte Börne die Entscheidung für Augstein gut gefunden?

Er hätte es akzeptiert. Börne war liberal. Berücksichtigen Sie bitte auch, dass wir, die Stiftung, lediglich den Juror auswählen. In diesem Jahr war das Frank Schirrmacher von der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er war in seiner Entscheidung autonom. Es ist auch nicht die erste umstrittene Entscheidung. Als Herr von Dohnanyi den Börne-Preis an Joachim Fest gegeben hat, haben auch manche mit dem Kopf geschüttelt.

Und jetzt?

Wir holen die Verleihung nach, sobald es Rudolf Augstein besser geht.

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