Medien : Salve, Paloma Blanca

Reinhard Siemes

Als sich abzeichnete, dass Edmund Stoiber, alias Paloma Blanca, alias Bayerische Kampftaube, Kanzlerkandidat der CDU/CSU würde, haben fast alle Kreativen der Hamburger Werbeagentur KNSK in den umliegenden Kirchen Kerzen aufgestellt. Denn jetzt haben sie ihn, den politischen Gegner, gegen den sie einen pfiffigen Wahlkampf führen können. Angela, die frühere Physikstudentin, besitzt allenfalls eine angreifbare Frisur. Ansonsten hat sie weder Bauskandale noch verdeckte Leo-Kirch-Finanzierungen am Bein. Man kann ihr einfach nichts anhängen. Paloma Blanca dagegen ist seit über 30 Jahren Apparatschick in München-Nymphenburg und hat von Franz Josef Strauß gelernt, wie man politische Gegner platt macht. Sein Charme lässt den Nymphenburger Kanal gefrieren. Und würde er in Berlin leben, könnte er sogar die Krumme Lanke vereisen.

Worauf sich die Hamburger Werber besonders freuen, ist die von FJS nachempfundene Wortwahl. Im Gegensatz dazu Angela: Ihre verbalen Injurien waren allenfalls liebevoll geballte Mäusefäustchen. Außerdem besitzt sie immer noch einen Rest Respekt, was ihre politischen Gegner angeht, wohingegen Stoiber die Obergiesinger Keferloher-Methode besitzt. Dem Gegner mit dem Maßkrug auf den Kopf schlagen - aber bitte erst dann, wenn er ausgetrunken ist. Den Hamburger Wahlkampfwerbern (und auch Bundespresseamtschef Uwe-Carsten Heye) stehen also wunderbare Zeiten ins Haus. 1998 mussten sie sich darauf beschränken, den dicken Mann aus Oggersheim zu veräppeln. Jetzt haben sie ein echtes Feindbild.

Das erinnert mich an die legendäre Kampagne der New Yorker Werbeagentur Doyle, Dane, Bernbach, die ein Nixon-Plakat zeigte und drüber schrieb: "Würden Sie von diesem Mann einen Gebrauchtwagen kaufen?" Ein Vorschlag für die Kreativen von KNSK: Bild von

Stoiber und Headline: "Würden Sie neben diesem Mann gern in der Sauna sitzen?"

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