Medien : Sandmann

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Doch, ein Ossi hat schon zu Mauer-Zeiten die Welt gesehen. Sandmann war sein . Sandmann durfte reisen, weil er den SED-Größen so klein erschien, so knuddelig, und weil er so gar nicht in der Gefahr war, die Werktätigen im Staate DDR zu verraten.

Wie auch? Ewig war der Sandmann stumm. Warum auch? Sandmann hatte Privilegien. Er fuhr in die sozialistischen Bruderstaaten, stets begegneten ihm freundliche Menschen. Ein Lächeln trug er im Gesicht, seine Welt war heil und watteweich, wer mit ihm reiste, der schickte sein Fernweh mit auf Reisen. Da lachte und lacht die Menschenseele noch heute, dass es kracht.

Sandmann war Angestellter des DDR-Fernsehens. Sehr verdächtig: Auch er musste Sand in die Augen streuen. Seine erste „Gute-Nacht-Geschichte“ erzählte er am 22. November 1959. Märchen hat er erzählt, doch ganz ganz selten nur die ewige Mär vom ruhm- und siegreichen Sozialismus. Über die Jahrzehnte wurde Sandmann zum Star. Heute ist er, mehr denn je, ein Liebling der Erwachsenen (der Frauen!) und der Kinder. Sein tieferes Geheimnis sind seine Knopfaugen, so rund und unergründlich dunkelbraun wie Nudossi und Nutella. Sandmann passt in jede Umgebung und zu jedem Menschen. Wenn er aus dem Fernsehen in die Wohnzimmer kommt, ist er bei den Kindern nicht nur zu Gast, sondern wirklich zu Hause.

Ja, Sandmann ist vordergründig Spezialist fürs leicht autoritäre Zu-Bett-Bringen und untergründig Spezialist für Sehnsüchte. Dieser Traummann hat was, und er hat viel erreicht. Gleich nach dem Fall der Mauer hat er das seemannsbärtige Westsandmännchen vom Bildschirm geputzt. Sanft und hartnäckig. Heute sind die Ostdeutschen und die Westdeutschen, die Menschen südlich und nördlich des Äquators verrückt nach ihm.

Weltbürger Sandmann: Der einzige, den der Arbeiter- und Bauernstaat hervorgebracht hat, beim Fernsehen der einzige, der aus Deutschland kommt. Joachim Huber

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