Sarah Kuttner auf ZDFneo : Essen, trinken, quarzen

In ihrer neuen Sendung "Kuttner plus zwei" plaudert Sarah Kuttner mit zwei Prominenten in einer Wohnküche. Zum ersten Abendessen kamen die Schauspielerin Hannelore Elsner und der Sänger Axel Bosse. Doch die Moderatorin fasste ihre Gäste mit wenig Feingefühl an.

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In der ersten Folge waren Hannelore Elsner und Axel Bosse bei Sarah Kuttner zu Gast.
In der ersten Folge waren Hannelore Elsner und Axel Bosse bei Sarah Kuttner zu Gast.Foto: ZDFneo

Erst zwei Minuten sind vergangen, da erklärt Hannelore Elsner schon ihre Abneigung gegenüber Talkshows. Es werde ihr dort zu schnell zu privat. Wie gut, dass das Talk-Format, an dem sie gerade teilnimmt, genau darauf setzt. Auf Nähe. Auf Kuschelstimmung. Auf Intimität. In einer Berliner Wohnküche sollen die Gäste mit der Zeit vergessen, dass überall Kameras um sie herum stehen. Sie sollen sich wohl fühlen, heimisch fühlen, damit ihnen irgendwann ein kleiner Satz über die Lippen huscht, der spontan ist. Glaubwürdig und echt.

Aus Unerschrockenheit wird Unhöflichkeit

In der ersten Folge der Sendung "Kuttner plus zwei" gelingt das allerdings nur selten - und wenn, dann zerstört die Moderatorin den Moment recht schnell. Zum Beispiel, wenn Hannelore Elsner über Liebeskummer philosophiert und sagt, dass dieses Gefühl doch an die Urängste des Menschen erinnere. An die Furcht, nicht gewollt, nicht geliebt zu sein. Statt die Tiefe des Gesprächs aufrecht zu erhalten, sagt Sarah Kuttner allerdings in einem flapsigen Tonfall, dass ein Beziehungsaus schlimmer als der Tod eines geliebten Menschen sein soll. Ein Ex-Partner könne "andere Menschen noch sehen und lieben und so. Nur dich halt nicht."

Auch in anderen Situationen wird aus ihrer unerschrockenen eine unhöfliche Art: Als Axel Bosse den beiden Frauen als Dankeschön für den Abend ein Geschenk überreichen möchte, würgt sie ihn sofort ab. Keine Zeit, tick-tack, die Uhr läuft. Auch seine Antwort "dafür bin ich drei Stunden durch diese beschissene Stadt gerannt", interessiert sie herzlich wenig. "Wir tun so, als wären wir gleichberechtigt. Aber im Grunde genommen bin ich der Chef, okay?" Ach so. Da kann selbst der sonst so freundliche Sänger nur fassungslos gucken und die Stirn in Falten legen.

Was der Zuschauer von der ersten Folge hat

Was Sarah Kuttner hingegen gelingt, ist ein eleganter Themenwechsel zu Anfang des Abends. Auf die Frage, ob Hannelore Elsner die Musik von Bosse kenne, drohte die Stimmung direkt zu kippen. Sie warf ihm vor, dass er fast in jedem Lied davon singe, wie furchtbar das Leben sei. Die Folge: Ein geknickter Sänger. Die Rettung: Eine schnelle Moderatorin. Auch mit ihren provokanten Anekdoten erzeugte die Moderatorin am Tisch überraschte Blicke und Meinungen. So sagte sie den Gästen, die beide Eltern sind: "Ganz ehrlich: Ich finde Kinder einfach doof" - und zum Thema Heiraten warf sie in den Raum: "Ich bin Scheidungskind. Ich glaube nicht an Für-Immer."

Wenn Hannelore Elsner aber trotzdem nach nicht einmal 30 Minuten meint, dass das ganze Essen und Reden so anstrengend sei, dass alle doch einmal ruhig sein sollten, stellt sich die Frage: Was soll das alles? Damit der Zuschauer sieht, wie drei Promis Würstchen essen, Likörchen trinken und die Wohnung vollquarzen? Damit er banale Antworten auf banale Fragen hört wie: Arbeitet ihr aus Leidenschaft? Erfüllt euch euer Job - oder langweilt er euch auch hin und wieder? Oder damit Sarah Kuttner die kantigen Sätze sagt, die sie gerne von ihren Gästen hören würde? Viele Argumente für das pseudo-private Treffen lieferte die erste Folge nicht.







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