Medien : Sat 1: Der Sender muss Bußgeld zahlen

Die Medienaufsicht geht gegen Sat 1 und den Veranstalter von "Spiegel-TV" rechtlich vor. Wie die zuständige rheinland-pfälzische Landeszentrale für private Rundfunkveranstalter (LPR) am Dienstag in Ludwigshafen mitteilte, würden damit unter anderem Schleichwerbung sowie Verstöße gegen Jugendschutzbestimmungen und gegen journalistische Grundsätze geahndet.

Sat 1 soll ein Bußgeld von 70 000 Mark zahlen, weil es an einem Sonntag um 6 Uhr 15 den Film "Glut der Gewalt" gezeigt hat. Der Film habe einen Lynchmord ausführlich geschildert und damit das Wohl von Kindern und Jugendlichen beeinträchtigen können, erklärte die LPR. Sie habe den Sender bereits bei Bekanntwerden der Programmplanung darauf aufmerksam gemacht, dass der Sendetermin am Sonntagmorgen nicht für diesen Film geeignet sei. Ein weiteres Bußgeld von 25 000 Mark soll Sat 1 wegen Schleichwerbung zahlen. Der Sender habe bei der Wiederholung des Fernsehfilms "Die Entführung" entgegen seiner Zusage Szenen nicht entfernt, in denen ein Telekommunikationsunternehmen "in auffälliger Weise" genannt worden sei, erklärte die Medienanstalt.

Mit einer Beanstandung rügt die LPR-Versammlung auch eine "Spiegel-TV-Reportage" über die Ermittlungsarbeit der Mordkommission Köln. Dieser Film war im Fenster von DCTP zu sehen, einem so genannten "unabhängigen Dritten", der seine Programme über Sat 1 verbreitet. Laut LPR sei in dieser "Spiegel-TV-Reportage" über einen realen Mordfall die "schuldunfähige und hochgradig verwirrte" Haupttatverdächtige gefilmt und interviewt worden, ohne dass ihre Abbildung anonymisiert worden sei. Auch sei das Ergebnis eines psychiatrischen Gutachtens über diese Frau verlesen worden. Nach Ansicht der Medienanstalt ist dadurch die Menschenwürde verletzt worden: Die Frau sei offensichtlich nicht in der Lage gewesen, ihre Interessen gegenüber den Journalisten zu wahren.

Außerdem seien journalistische Grundsätze des Pressekodexes verletzt worden. Demnach dürften schuldunfähige Tatverdächtige und psychisch Kranke nicht abgebildet werden und die Namen von Tätern und Opfern nicht genannt werden. Laut LPR waren der "Spiegel-TV-Reportage" auch Name und Adresse des Mordopfers zu entnehmen.

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