Sat-1-Film : Dunkel-Berlin

Sat 1 knipst der Hauptstadt die Lichter aus: „380 000 Volt – Der große Stromausfall“ ist ein Film, in dem sich alles um Hochspannung dreht.

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Die Ingenieurin und der Techniker: Anja (Ann-Kathrin Kramer) und Volanski (Tobias Oertel) retten Berlin. Foto: Sat 1
Die Ingenieurin und der Techniker: Anja (Ann-Kathrin Kramer) und Volanski (Tobias Oertel) retten Berlin. Foto: Sat 1

Was würde ein stellvertretender Leiter eines Kraftwerks dafür tun, um bald selbst Leiter eines nagelneuen Kraftwerks zu werden? Und wie weit würde der Vorstand eines Energieunternehmens mit dem fiktiven Namen E-Kraft gehen, das immerhin die Hauptstadt mit ihren 3,5 Millionen Menschen mit Strom versorgt, um die Profite mithilfe der Politik noch weiter zu steigern? Im Sat-1-Film „380 000 Volt – Der große Stromausfall“ an diesem Dienstag lautet die Antwort kurz und prägnant: alles! In jedem Fall schrecken Ingenieur Beetz (Guido Broscheit) und Manager Reinders (Rolf Kanies) nicht davor zurück, das Stromnetz zu sabotieren. Ein Wartungstechniker kommt daraufhin in einer Stichflamme ums Leben, das winterliche Berlin versinkt für Stunden in stockdunkler Nacht, in Pankow, Kreuzberg und Marzahn übernimmt der Mob die Straße, Krankenhausärzte schneiden unter Notstrom, die Feuerwehr kommt nicht nach, die Brände in allen Teilen der Stadt zu löschen, weil die Menschen mit offenem Feuer heizen. Über Berlin muss der Notstand verhängt werden, das Kleinkalibergewehr ersetzt den Streifenpolizisten.

Man mag sich das Ende kaum vorstellen, wären da nicht die leitende Ingenieurin des Kraftwerks Anja Radtke (Ann-Kathrin Kramer) und der überaus engagierte Wartungstechniker Volanski (Tobias Oertel). Nachdem der korrumpierte Saboteur Beetz bei einem Autounfall schwer verletzt wurde und somit nicht mehr verraten kann, wie die von ihm ausgelöste Katastrophe zu beheben ist, können nur noch diese beiden braven Streiter die Energieversorgung Berlins wiederherstellen.

So weit zum Setting von Regisseur Sebastian Vigg. Doch trotz 380 000 Volt: Die rechte Hochspannung will in diesem Film nicht aufkommen. Dabei muss sich Anja Radtke doch zusätzlich um ihre minderjährige Tochter Nelly (Sina Tkotsch) sorgen. Zuerst, weil sie sich auf einer Szeneparty mit ihrem 24-jährigen Freund befindet, und später, weil sie trotz Stromausfall von Friedrichshain nach Steglitz gelangen will.

Die Story ist weit hergeholt, ähnliche Vorkommnisse in den USA sind nicht vergleichbar und das eingestreute Fachvokabular kann daran auch nichts ändern. Doch vor allem Ann-Kathrin Kramer und Tobias Oertel, aber auch Gode Benedix als intrigantes „Kollegenschwein“ retten den Abend. Drehbuchautor Christoph Darnstädt hat es ohnehin nicht an Fantasie gemangelt; eine alte Umspannanlage der Nazis unter dem Flughafen Tempelhof – „Die haben damals eben für ein tausendjähriges Reich gebaut“ – zeugt davon. Ansonsten aber können die Berliner glücklich sein, wenn der reale Energieversorger der Hauptstadt bessere Konzepte vorhält, um selbst größte Stromschwankungen ohne Blackout zu überstehen. Beim Thema Profite hatte Sat 1 hingegen das richtige Timing: Vattenfall-Kunden wissen, was gemeint ist. Kurt Sagatz

„380 000 Volt – Der große Stromausfall“, Sat 1, 20 Uhr 15

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