Sat 1 : Unter einem Dach

Was gibt’s Neues bei Sat 1? Umzüge in die Zentrale. Und die Tour hat schlechte Quoten.

Pablo Silalahi
Mareile Höppner
Mareile Höppner: Nachfolgerin von Thomas Kausch bei "Sat 1 News"? -Foto: ddp

Die Tour de France war bisher ein Reinfall für Sat 1. Auch am Montag wollten nur 5,7 Prozent der Zuschauer (in absoluten Zahlen: 680 000) die Frankreich-Rundfahrt beim Berliner Privatsender sehen. Dabei braucht Sat1-Chef Matthias Alberti zurzeit dringend gute Quoten. Pro Sieben Sat1-Vorstandschef Guillaume de Posch hat laut Medienberichten die Marke von elf Prozent Marktanteil als Ziel für den Sender vorgegeben – bis zum Herbst, nicht erst bis zum Frühjahr 2008, wie Alberti neulich im Tagesspiegel-Interview sagte. Derzeit liegt der Senderschnitt bei rund 10, 7 Prozent. Es könnte also knapp werden für den studierten Biologen, der erst im Januar die Nachfolge von Roger Schawinski an der Spitze von Sat1 angetreten hatte. Dass Albertis Stuhl bei Nichterfüllung der Vorgaben aus München wackeln könnte, wollte Sendersprecherin Kristina Faßler auf Anfrage nicht kommentieren.

Probleme könnten Sat 1 nicht nur schlechte Quoten, sondern auch die Werbekunden bescheren. Die haben feste Plätze für bestimmte Formate gebucht. Durch die kurzfristige Übernahme der Tour-de-France-Berichterstattung fielen diese Formate, zum Beispiel „Richterin Barbara Salesch“ (Marktanteil: 15,5 Prozent; 1,78 Millionen Zuschauer), aus dem Programm. Alberti soll bei der Betriebsversammlung am vergangenen Freitag in dieser Hinsicht Entgegenkommen bei Werbekunden signalisiert haben.

Bei Sat 1 gibt es derzeit so viele Umwälzungen wie selten zuvor in der 23-jährigen Sendergeschichte. Fest steht die geplante Zusammenlegung der Redaktionen von „Blitz“ und dem „Sat1-Frühstücksfernsehen“ zu einer „Zentralredaktion Magazine“. Beschlossen ist außerdem, dass das „Frühstücksfernsehen“ um eine Stunde verlängert werden soll. Fraglich ist der Name des abendlichen Boulevardmagazins, das in der jetzigen Form als „Blitz“ noch bis in den Herbst gesendet werden soll. Im Gespräch ist auch die gemeinsame Produktion aller noch verbliebenen Sat1-Regionalmagazine unter dem Dach der Berliner Sendezentrale. Demnach würden die Redaktionen an den bisherigen Strandorten München, Mainz, Dortmund, Hannover und Hamburg erhalten bleiben, die Magazine selbst aber aus Berlin gesendet werden. Ein ähnliches Konzept verfolgt Konkurrent RTL. Der Kölner Sender lässt alle seine Regionalsendungen bei „RTL Nord“ in Hamburg produzieren. Sat1-Sprecherin Faßler bestätigt, „dass es im Hause diese Überlegungen gegeben“ habe, über den konkreten Stand konnte sie keine Angaben machen.

Eine Personalie, die bei Sat1 heftig diskutiert wird, ist die Nachfolge von „Sat1 News“-Anchor Thomas Kausch. Aus Senderkreisen verlautet, es sei höchst wahrscheinlich, dass die ehemalige „Sat1 am Mittag“-Moderatorin Mareile Höppner Kauschs Erbe bei den Hauptnachrichten antreten wird. Kristina Faßler wollte auf Anfrage dazu keine Angaben machen. Höppner selbst ist zurzeit im Urlaub. Die 30-Jährige hatte bis 2005 mit Michael Marx bereits die Sendung „Newstime“ auf Pro 7 präsentiert. Sie wäre nach Ulrich Meyer, Astrid Frohloff und Thomas Kausch die vierte Herausforderin von Peter Kloeppel, dem Platzhirsch unter den Privat-Nachrichten, auf dem Sendeplatz um halb sieben. Pablo Silalahi

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben