Sat 1 : Zurück zu den Wurzeln

Sat 1 lässt Kerner Fußball talken, Landliebe wecken und die deutsche Serie gleich zwei Mal weiterleben.

Tim Klimeš

Als „Sender ohne Eigenschaften“ wurde Sat 1 in den letzten Monaten belächelt. Andreas Bartl präsentierte am Donnerstagabend in München, wie er seinem Programm neues Profil verschaffen will. Es ist leicht an diesem Abend, ins Schwärmen zu geraten. Der Einzug des FC Bayern ins Champions-League-Halbfinale ist nur knapp 24 Stunden her, die Traumquote von durchschnittlich 32 Prozent Marktanteil für Sat 1 wirkt noch nach – und als Senderchef Andreas Bartl dann verkündet, er habe seinen Mitarbeitern nun auch diese berühmt-berüchtigte Mir-san-Mir-Philosophie verordnet, dann meint man doch tatsächlich für einen Moment, Sat 1 habe Manchester United niedergerungen. Bis man merkt, dass die beiden Topeinkäufe von Sat1 nicht Robben und Ribéry heißen, sondern Kerner und Pocher. Da sind sie wieder, die Probleme.

„Sender ohne Eigenschaften“, „Sammelsurium von Einzelsendungen“, die Liste der Vorwürfe an den Münchner Sender ist lang – und sie soll ein Ende haben. Das ist auch der Grund, warum Sat1-Chef Bartl in München zwei Dutzend Journalisten zum Gespräch bittet. Angekündigt ist die erste Programmpräsentation 2010, mit der Sat 1 wieder auf die Spur finden soll.

„Reparaturen und Wartung“ nennt Bartl die Arbeit der vergangenen Monate. Sat 1 habe wieder zu seiner „Marken-DNA“ finden, sich auf alte Werte besinnen müssen. Familienfreundlich und sympathisch soll es ab jetzt wieder zugehen, ein bisschen wie vor fünf Jahren, als Sat 1 mit „Verliebt in Berlin“, „Genial daneben“ oder der „Schillerstraße“ echte Marken und Erfolge lieferte.

„Wenn man viele Bälle in die Luft schießt, wird schon einer reingehen.“ Den Satz lässt Unterhaltungschef Jobst Benthues im Laufe des Abends mal fallen, vermutlich ist das nicht so verzweifelt gemeint, wie es sich anhört. Sat 1 kündigt manches Format an, das zum neuen, alten Familienimage des Senders passt.

Benthues hat eingekauft, selbst kreiert und stellt Shows wie „Mein Mann kann“ und „Die perfekte Minute“ vor. Am 30. April wird Ulla Kock am Brinck „Die perfekte Minute“ erstmals präsentieren. Das ist eine Familienshow, gebaut um kleine Spaßwettbewerbe, die Spieleabendromantik in deutsche Stuben bringen könnte. In „Mein Mann kann“ wetten Frauen auf publikumsträchtige Fertigkeiten ihrer Männer: Wer isst die meisten Chilis? Wer trinkt mehr Wurstwasser? Die bangenden Männer stehen im Hintergrund und hoffen, dass die Frau sie dabei nicht verzockt.

Neben der Show soll auch die deutsche Serie wieder etabliert werden. Schon ab Montag wird Henning Baum als aus der Gegenwart gefallener „Letzter Bulle“ debütieren, Annette Frier startet gleich im Anschluss als Low-Budget-Anwältin „Danni Lowinski“.

Und die Problemkinder Kerner und Pocher? Sie sollen Aushängeschilder werden. Immer noch. Dafür wird Pocher verstärkt während der Fußball-WM zum Einsatz kommen und in der zweiteiligen Show „Pochers Sommermärchen“ erklären, warum die deutsche Mannschaft Weltmeister wird (Folge eins) und alle anderen nicht (Folge zwei). Und Kerner? Die Antworten auf die Erfolglosigkeit des Erfolgsmoderators sind bekannt: Muss im Programm ankommen, hat Luft nach oben etc.

An diesem Abend wird Kerner hauptsächlich für seine Fußballkompetenz gelobt, künftig soll er einen Fußball-Talk moderieren. Der ehemalige ZDF-Mann bildet das Herz der Sat-1-Infokompetenz, schon bald flankiert von neuen Formaten. Das „Landmagazin“ etwa soll an den Erfolg des Printmagazins „Landlust“ anschließen. Zurück zu den Wurzeln – im Leben, wie im Sender.

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