"Satire Gipfel" : "Schluss mit SPD-Kabarett“

Ab Donnerstag ist TV-Kabarettist Mathias Richling ist mit einer neuen Sendung in der ARD zu sehen. Warum die nicht "Scheibenwischer" heißen darf und ob er trotzdem weiterhin mit Dieter Hildebrandt befreundet ist, erzählt er im Tagesspiegel-Interview.

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Mathias Richling startet am Donnerstag in der ARD um 22 Uhr 45 den "Satire Gipfel", die Nachfolgesendung zum "Scheibenwischer".Foto: dpa

Herr Richling, erst Dieter Hildebrandt, dann Georg Schramm und Richard Rogler, jetzt Bruno Jonas – wie fühlt man sich als einziger Gastgeber, als letzter Mann an Bord des einstigen „Scheibenwischer“?



Wenn ich Veränderungen nicht akzeptieren würde, wäre ich nicht Kabarettist. Aber wie Sie sagen, bin ich Gastgeber und habe demgemäß viele Gäste, die hervorragend mitstreiten.

Wie zufrieden sind Sie mit dem neuen Namen „Satire Gipfel“? War das Ihre Idee?

Wenn man ehrlich ist, muss man zugeben, dass der Titel „Scheibenwischer“ zwar eine gute Marke, aber als Titel für eine Kabarettsendung nicht besonders originell war. Er stammt ja auch aus den Urzeiten des Nachkriegskabaretts. Insofern kann ich recht gut mit dem Titel „Satire Gipfel“ leben, der im Team ausgewählt wurde.

Dieter Hildebrandt glaubt, Sie hätten etwas überreagiert, als er den Namen „Scheibenwischer“ zurückzog, nachdem er vom neuen Konzept gehört hatte. Ist da etwas dran? Sind Sie nicht mehr befreundet?

Ich bin traurig darüber, dass ich sagen muss: Ich weiß es nicht mehr. Und ich weiß aber auch nicht, warum nicht. Nur kann jeder Beobachter die Frage leicht selbst beantworten, wenn er weiß, dass hier gegen etwas bramarbasiert wurde, was man als Produkt ja noch gar nicht kennt. Und das man zudem in Ankündigungen falsch verstanden hat.

Das Konzept soll sich deutlich ändern.

Wir machen keine Comedy! Es treten aber wohl Comedians auf, die sich politisch äußern oder satirisch gesellschaftliche Umstände infrage stellen. Dürfen die das nicht? Haben wir auch im Kabarett so viele Vorurteile, wie wir sie in der Gesellschaft anprangern, dass wir selbst nur wenige in unsere geschlossene Gesellschaft hineinlassen?

Und Hildebrandts Kritik?

Es kann sich jeder die Frage zur Situation selbst beantworten, wenn er weiß, dass die „Stuttgarter Nachrichten“ in ihrem Artikel über Hildebrandt schlussfolgerten, es handle sich um „Arroganz des Alters“ und um „Zensur“. Darüber war ich sehr betroffen. Jedoch rief Hildebrandt dann bei der Nachrichtenagentur AP an und bestätigte ausdrücklich diesen Artikel. Das ist entweder Größe oder aber tatsächlich sehr traurig.

Mit mehr Comedy im Polit-Kabarett driften Sie aber schon in unbekanntere ARD-Gewässer. Haben Sie keine Sorge, dass das schiefgehen könnte, dass das beim Zuschauer nicht ankommt? So erfolgreich waren „Schmidt & Pocher“ nicht.

Ich sag’ es noch mal: Wir machen keine Comedy! Wie oft denn noch? Man will es offenbar nicht hören. Der „Satire Gipfel“ wird trotz allem Geunke scharfes politisches Kabarett bieten. Er wird nur nicht einseitiges SPD-Kabarett wie noch zu Hildebrandts Zeiten.

Das ist ein harter Vorwurf.

Hildebrandt war stets ausgewiesener Wahlkämpfer für die SPD. Und seine Münchner Lach- und Schießgesellschaft hat sich 1972 auch aufgelöst, weil die SPD und Willy Brandt regierten. Die Satire von dort war stets parteipolitisch gebunden. Eventuell notwendige Kritik hat man sich durch die Vereinnahmung einer Partei verbaut. Man konnte keine eigene Haltung mehr haben. Man hatte immer die Haltung der SPD.

Was ist denn Ihre Haltung?

Wir wollen eine Haltung haben, die nur von uns selbst und unserer Überzeugung beeinflusst und geprägt ist. Das muss einschließen, dass wir manchmal auch die kritisieren, mit denen wir sympathisieren. Damit zeichnet sich tatsächlich eine Abgrenzung zu früher ab, die aber noch viel politischer sein wird. Das wird durch diese Diskussion schmerzlich deutlich. Und das wird auch öffentlich so verstanden. Wer immer also Hildebrandt zu seiner Aktion geraten hat, scheint ihn nicht sehr zu mögen.

Dürfen wir im „Satire Gipfel“ noch Analysen politischer Kultur erwarten? Kommen demnächst Atze Schröder vorbei, Mario Barth oder Helge Schneider?

Sie dürfen, und jetzt sag’ ich es aber zum letzten Mal, nur Analysen politscher und gesellschaftlicher Kultur erwarten. Allen Sabotagemaßnahmen eines ehrenwerten älteren Herren zum Trotz arbeiten wir im „Satire Gipfel“ mit harten satirischen Bandagen. Die Grenzen liegen im hohen Niveau, das ich persönlich auch vielen Comedians zutraue. Ich halte nichts von einem Humor-Fundamentalismus, der sich hinter einer ziemlich eitlen Besorgtheit versteckt. Es ist überheblich, zu glauben, nur Kababerettisten hätten eine Meinung. Kabarett ist nicht das Opus Dei des Fernsehens.

Das Interview führte Markus Ehrenberg.

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