Satire in Nahost : Lacht um euer Leben

18.10.2012 00:00 Uhrvon

Der arabische Frühling hat viel verändert, doch die Revolutionen sind noch nicht vorbei. Die Bevölkerung reagiert mit schwarzem Humor. Doch geht das? Über Satire im Angesicht blutiger Auseinandersetzungen.

"Religion und Sex sind tabu"

Seit die staatlichen Repressionen wegfallen, haben sich auch die Grenzen der Pressefreiheit verschoben. „Ich kann und werde über alles sprechen“, sagt Satiriker Bassem Youssef. „Aber Religion und Sex sind tabu.“ Niemand verbiete es ihm, aber die Zuschauer würden es nicht akzeptieren. „Ich persönlich möchte in diese Richtung gar nicht gehen. Es verletzt die Gefühle zu vieler Menschen“, sagt Youssef.

In seiner Show ist an diesem Tag auch Amru Salim, der für ägyptische Zeitungen politische Karikaturen zeichnet. Den mächtigen Militärrat Ägyptens hat er nicht geschont und auch die regierenden Muslimbrüder nicht.

Doch er muss aufpassen. Das haben auch die schweren Ausschreitungen in der arabischen Welt nach dem Bekanntwerden des vorgeblich satirischen Films „Die Unschuld der Muslime“ und der Mohammed-Karikaturen in der französischen Zeitschrift „Charlie Hebdo“ gezeigt. „Wenn ich Angst zugelassen hätte, hätte ich niemals angefangen zu zeichnen“, sagt Salim. Niemand verbiete ihm einen Cartoon, aber „ich muss auch an meine Familie denken“, legt er nach.

Von manchen heikleren Themen lässt er daher lieber die Finger. „Selbstzensur“ nennt die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ dieses Phänomen. Die Verbesserungen in Sachen Pressefreiheit in den Ländern des arabischen Frühlings seien „rein kosmetisch“, heißt es in einer Einschätzung der Organisation zur Region Nahost. Ein Klima der Angst behindere noch immer viele Journalisten bei ihrer Arbeit.

In Tunesien, wo der arabische Frühling seinen Anfang genommen hatte, sitzt der Ex-Chef des Senders Ettounissya TV in Haft, nachdem er eine satirische Show ins Programm genommen hatte. In Syrien, wo die Revolution sehr viel blutiger verläuft als in allen anderen arabischen Ländern, verlagert sich die Satire ins Internet. Anonym, aus Angst vor Verfolgung. „Viele haben durch all die Schrecken den Glauben an die Revolution verloren“, sagt Bassem Youssef. Er will Mut machen. So lange gelacht werde, gebe es Hoffnung.

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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