Schätzing-Filme : "Die meisten wollen ihre Steaks blutig!"

Erfolgsautor Frank Schätzing über Kino, Fernsehen und seine beiden ersten TV-Krimis auf RTL.

Schätzing
Schriftsteller Frank Schätzing. -Foto: RTL

Herr Schätzing, sie sind Werbetexter, Komponist, Buchautor für historische Stoffe, Krimis und Wissenschaftsthriller – und nun im RTL-Film „Mordshunger“ sogar als Schauspieler in einer Nebenrolle zu sehen. Gibt es etwas, wovor Sie zurückschrecken würden?

Mich im Dschungelcamp zum Affen zu machen – da gibt’s schon Affen genug.

Für die TV-Zuschauer sind Sie kein Unbekannter. Im ZDF haben Sie die Wissenschafts-Dokumentation „2057 – Unser Leben in der Zukunft“ präsentiert. Jetzt laufen zwei Ihrer Krimis, die RTL produziert hat. Was reizt Sie am Fernsehen?

Es ist gar nicht so sehr das Fernsehen, das mich reizt, sondern Film an sich. Ich bin weit mehr von Regisseuren beeinflusst als von Autoren. Ich liebe Kino, und Fernsehen ist Kino in klein. Wenn ich was Neues schreibe, hat das vorher immer schon auf meiner inneren Leinwand Premiere gehabt. Anders gesagt, ich schreibe meine inneren Filme auf, insofern ist es nur konsequent, die Bücher hinterher wieder in Filme umzusetzen. Fernsehspezifischer ist natürlich die Moderatorenrolle. Ich stehe gerne auf Bühnen und habe festgestellt, dass ich auch gerne vor Kameras stehe.

Den Krimi „Die dunkle Seite“ mit Melika Foroutan als schlagkräftige Privatdetektivin bezeichnen Sie selbst als „knallhart“, und einige Szenen sind tatsächlich alles andere als appetitlich. „Mordshunger“ mit Henry Hübchen als Mordverdächtigem ist leichter und ironischer. In welchem Film steckt mehr Frank Schätzing?

Die Antwort liegt in der Unterschiedlichkeit. In jedem Film steckt ein Teil meiner Persönlichkeit. Wir alle haben unsere Abgründe, jeder versucht damit klarzukommen. Die einen verdrängen ihr dunkles Ego, andere lassen sich von ihm beherrschen. Die meisten finden einen Weg, Aggression in etwas Konstruktives umzuwandeln, wodurch sie sich zugleich davon befreien. Die werden dann Boxer, Fußballer oder Schlagzeuger, malen Bilder, schreiben Bücher. Ich lasse meine schwarzen Fantasien in Büchern wie „Die dunkle Seite“ zurück. Dem lebenslustigen Schätzing wiederum – und ich bin sehr lebenslustig! – begegnet man in „Mordshunger“.

Ihre Leidenschaft fürs Kochen und die Liebe zu Köln spielen in „Mordshunger“ eine Rolle, ihr Tauchhobby kam dem Roman „Der Schwarm“, der fürs Kino verfilmt wird, zugute. Womit ist bei Ihnen noch zu rechnen?

Mit dem Unberechenbaren. Ich will definitiv mehr Musik machen, Soundtracks komponieren, Songs schreiben, mit einer Band auf die Bühne. Vielleicht mal Regie führen. Schauspielern. Ehrlich gesagt, ich mache mir darüber nicht so viele Gedanken. Herausforderungen kommen immer überraschend. Ich bin einfach offen für alles, probiere vieles aus, und wenn ich irgendwas nicht kann, lasse ich es wieder bleiben. Das Einzige, was mich wirklich langweilen würde, wäre ein klar vorgezeichneter Weg, so ein durchkalkuliertes Leben.

Der Film „Die dunkle Seite“ arbeitet mit farblich stark verfremdeten Bildern. Kam da der alte Werbefachmann durch?

Nein, da kommt Peter Keglevic durch, der einfach ein sauguter Regisseur ist.

Werbung gilt nicht unbedingt als besonders glaubwürdig. Ihren Büchern hat das jedoch offensichtlich nicht geschadet.

Was glauben Sie, was wir in der Werbung machen? Lügen, bis uns die Nasen aus der Zimmertür wachsen? Werbung überhöht Fakten. Bücher tun das auf ihre Weise ebenso. Der Unterschied ist, dass ich in einem Roman bis zum Schluss konsequent meine eigenen Ideen umsetzen kann, während ich in der Werbung mit den Produkten und Dienstleistungen anderer enden muss. Das hat 20 Jahre lang Spaß gemacht, heute bewerbe ich nur noch meinen eigenen Kopf.

Kann man jede Geschichte als Krimi erzählen?

Klar: Das Alte Testament, die Nibelungen, acht Jahre George W. Bush – unsere Geschichte steckt voller krimineller Energie. Oder nehmen Sie Kochrezepte: Tomaten häuten, Kartoffeln die Augen ausstechen. Wie wollen die meisten ihr Steak? Blutig!

Was hält Sie davon ab, auch mal ein Buch für einen „Tatort“ zu schreiben?

Die Dicke meiner Bücher. 1000 Seiten! Aber gut – wenn die Folge eine Woche dauern darf, können wir drüber reden.

Das Interview führte Kurt Sagatz.

„Die dunkle Seite“, Sonntag, 20 Uhr 15; „Mordshunger“, Donnerstag, 20 Uhr 15, beide RTL

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