Schauspieler Werner Daehn : "Ein Segen, dass ich in Berlin geblieben bin"

Er gilt als der ewige Bösewicht, ist ein bekanntes Gesicht in Hollywood. Doch aus Berlin wollte Schauspieler Werner nie weg. Für unsere gedruckte Samstagsbeilage Mehr Berlin fragten wir bekannte Berliner, was genau sie an der Stadt reizt. Lesen Sie hier, was Daehn antwortete.

Schauspieler Werner Daehn.
Schauspieler Werner Daehn.Foto: Björn Kommerell

„Seit ich Ende der 80er Jahre aus Worms nach Berlin gekommen bin, stand oft zur Debatte, ob ich nach Los Angeles ziehe. Schließlich habe ich dort immer wieder gearbeitet und werde häufig gebucht. Aus meinem Umfeld sind eine Menge Leute nach L.A. gezogen. Ich habe mich aber immer wieder dagegen und für Berlin entschieden. Die Stadt ist so europäisch, weltoffen – und richtet gleichzeitig den Blick nach außen. Währenddessen hält sich L.A. für den Mittelpunkt der Welt und schaut nur auf sich selbst. Berlin ist rauer und ehrlicher, die Stadt ist vielfältig und gleichzeitig kann ich mich in die Namenlosigkeit zurückziehen, wenn mir danach ist. Ich ziehe viel Inspiration aus meinen Erlebnissen hier. Derzeit arbeite ich mit Regisseur Stefan Ruzowitzky an dem Boxerdrama „Gentleman’s Agreement“, in dem ich die Hauptrolle habe. Es spielt im Boxermilieu in Kreuzberg und Schöneberg. Zur Vorbereitung bin ich in einige Boxclubs der Stadt gegangen.

Aber es sind nicht so sehr die Plätze, sondern vielmehr die Menschen, die die Stadt für mich ausmachen. Es ist mir wichtig, mich mit unterschiedlichen Leuten zu treffen, egal welcher sozialen Stellung. Also ich gehe ich auch bewusst etwa in Sportclubs, wo der mittelständische Unternehmer, der Busfahrer, Hausmeister oder der Künstler wie selbstverständlich miteinander verkehren. Die Grenzen zwischen den sozialen Schichten sind hier fließend, während in L.A. die Abgrenzung sehr streng ist. Es funktioniert da viel über Geld. Du musst eine dicke Karre fahren oder die Leute gucken dich schief an. Das ist unangenehm und in Berlin gar nicht so. Hier wird man eher mit der dicken Karre schief angeguckt. Dass ich den Umzug nach L.A. nie gemacht habe, war vielleicht ein Segen. Meine Berliner Attitüde finden die in Hollywood sehr authentisch, dieses etwas Schnoddrige und Direkte. Der Berliner nimmt sich einfach selbst nicht so wichtig und zeigt klare Kante. Das habe ich mir behalten.“

Aufgezeichnet von Maria Fiedler. Mehr Statements zum Reiz Berlins Berlin, unter anderem von Olafur Eliasson, Catherine von Fürstenberg-Dussmann und Researchgate-Gründer Ijad Madisch, waren in unserer gedruckten Samstagsbeilage Mehr Berlin am 7. März 2015 zu lesen.

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