Medien : Scheitern, Lügen und Spionieren

Tom Peuckert

Die Klimakatastrophe ist bisher nur eine Drohung, aber der Klimawandel kommt bestimmt. In unseren Breiten wird das Wetter bald wärmer, trockener, launischer. In seinem Feature „Für die wärmeren Tage" berichtet Autor Matthias Eckoldt über konkrete Strategien der Vorsorge. Wie gehen Wissenschaft und Politik mit den als gesichert geltenden klimatischen Zukunftsszenarios um? Wir hören von bundesweiten Warnsystemen, Umstrukturierungsprogrammen in der Forstwirtschaft, neuen Forschungsgebieten für die hiesige Seuchenmedizin. Eckoldt spricht mit Experten und politisch Verantwortlichen. Der Klimawandel muss keine Katastrophe werden, ein Grund für besorgte Aktivität ist er allemal (Deutschlandradio Kultur, 10. Mai, 19 Uhr 30, UKW 89,6 MHz).

Eigentlich sind wir daran interessiert, im Leben möglichst nicht zu scheitern. Aber wie fast jede Sache hat auch der Misserfolg zwei Seiten. Im Feature „Grandios gescheitert“ erzählen Dörthe Hinrichs und Hans Rubinich vom Scheitern als Chance. Die Wissenschaft betrachtet das Misslingen gern als Weg ins Offene. Als Hintertür, um aus den Grenzen der planenden Vernunft auf das fruchtbare Feld des Zufalls zu gelangen. Doch welche psychologischen und sozialen Voraussetzungen braucht der Mensch, damit er aus Fehlern wirklich lernen kann? Das Feature interessiert sich für Vorbilder im produktiven Versagen. Für Helden des Scheiterns (Deutschlandfunk, 11. Mai, 19 Uhr 15, UKW 97,7 MHz).

Vor zweieinhalbtausend Jahren hat der griechische Dichter Aristophanes eine berühmte Komödie geschrieben. „Der Frieden“ erzählt von einem kriegsmüden Bauern, der die Göttin des Friedens aus einem tiefen Brunnen befreit und sich damit eine Menge Ärger bei seinen Zeitgenossen einhandelt. Die antike Komödie war Mitte der sechziger Jahre ein riesiger Publikumserfolg im Ostberliner Deutschen Theater, die Inszenierung nach einer Neufassung des Dramatikers Peter Hacks wurde postwendend auch als Hörspiel produziert. Mit Stars des alten DDR-Theaters wie Benno Besson oder Dieter Franke, deren Performance sich heute noch genießen lässt (Deutschlandfunk, 12. Mai, 20 Uhr 05).

Gescheitert ist im Jahr 1950 auch der Versuch, vier Mitarbeiter des DDR-Rundfunks in Westberlin wegen Menschenraubs zu verurteilen. Obwohl vieles für ihre Schuld sprach, wurden die Rundfunkleute vom Schwurgericht Moabit aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Was sie wesentlich ihrem Verteidiger zu verdanken hatten, dem DDR-Staranwalt Friedrich Karl Kaul. Kurz nach Prozessende schrieb Kaul ein Hörspiel über den Fall, mit der erklärten Absicht, das „ekle Lügengewebe“ des Westens öffentlich zu zerreißen. „Funkhaus Masurenallee“ ist ein eindrucksvolles Dokument des Kalten Krieges, ein propagandistisch aufgeladenes Drama über eine tragisch-kuriose Episode aus der Zeit der deutschen Teilung (Kulturradio, 11. Mai, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Noch einmal Kalter Krieg: „Ich wollte doch nur nach Hause“ heißt ein spannendes Feature von Henry Bernhard . Die Geschichte eines Sechzehnjährigen aus Hannover, der 1979 während einer fingierten Besuchsreise in den Osten erfährt, dass sein Vater für die Stasi spioniert hat. Nach Kindheit und Pubertät im Westen soll sich der Junge nun mit einer Existenz in der DDR anfreunden. Das wird nicht nur für ihn zum Fiasko. Die ganze Familie kann sich nicht an den real existierenden Sozialismus gewöhnen und landet schließlich im Stasi-Knast. Der Vater verstirbt unter mysteriösen Umständen, der Sohn wird später vom Westen freigekauft. Die Erinnerung an die DDR bleibt für ihn ein lebenslanges Trauma (Deutschlandfunk, 15. Mai, 19 Uhr 15).

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