Medien : Scheitern, überall

ZDF-Film verhandelt „Schuld und Rache“

Thilo Wydra

Sie haben beide etwas getrunken. Es ist spätabends. Sie fahren nach Hause, durch den Wald. Plötzlich ein dumpfer Aufschlag, Vollbremsung. Ihr Auto hat eine Radfahrerin erwischt. Sie steigen aus, sehen die Frau am Boden liegen. Sie fahren weiter. Fahrerflucht. Wie ist das, mit Schuld zu leben? Sie, Corinna (Katharina Böhm), sie scheint sie nicht so sehr zu empfinden wie ihr Mann Max (Justus von Dohnányi), der sich auf die Suche nach der Frau auf dem Fahrrad macht. Er hält den Druck nicht mehr aus. er erzählt in seiner Tischlerei seinem Kompagnon Nils (Tim Bergmann) davon. Und umgekehrt, da macht sich Tina (Lisa Martinek) auf die Suche nach jenen, die sie einfach so haben liegenlassen. Die Steuerberaterin sitzt im Rollstuhl.

Der ZDF-Fernsehfilm von Regisseur Martin Enlen und Drehbuchautor Detlef Michel heißt „Schuld und Rache“. Und setzt parallel zu Unfall und Fahrerflucht die vom Scheitern bedrohte Beziehung zwischen Corinna und Max. Corinna hat Verlustangst, größere scheinbar als Max, sie will ihn nicht verlieren. Und Max, er hadert, mit der Situation, mit Corinna, mit Nils und der Werkstatt und mit dieser verdammten Schuld. Und plötzlich fährt Tina auf Max und Nils zu, die im Türrahmen der Tischlerei stehen. Da geht das Opfer zum Täter. Auch, wenn sie da noch davon ausgeht, dass es dessen Frau war. Tina konnte sich nur an Frauenabsätze erinnern, die in das Auto der Schreinerei stiegen, als sie bewegungsunfähig auf dem kalten Waldboden lag. Und Max, er weiß nicht, dass sie es ist, die sie angefahren hatten, weiß auch sonst nichts, kann sich nicht erinnern.

Das ist mit seinen Wendungen alles wohldurchdacht, gerade vom Drehbuch, aber so recht mag der Funke nicht überspringen, der Stoff trägt den dramaturgischen Spannungsbogen der obligatorischen 88 Minuten nicht. So entstehen in „Schuld und Rache“ manchmal Szenen, die wie Leerlauf wirken, die zu viel sind. Und so bleibt dieses redliche Drama um Vergebung zwischen Täter und Opfer, das zugleich auch das Drama um Gehen oder Bleiben in der Beziehung ist, im Irgendwo stecken.

„Schuld und Rache“, ZDF, 20 Uhr 15

0 Kommentare

Neuester Kommentar