Medien : Schicksal in Halbsätzen

Rheinisch-sizilianisch: Mario Adorf als Mafiosi

Katrin Hillgruber

Er habe schon in unzähligen Mafia-Filmen mitgespielt, sagt Mario Adorf alias „Zio Carlo“, doch selbst für die legendäre Serie „Allein gegen die Mafia“ sei nur das Nötigste auf Sizilien gedreht worden. Dank Joseph Vilsmaiers rheinisch-sizilianischem Zweiteiler „Vera – die Frau des Sizilianers“ hatte Adorf nun endlich Gelegenheit, die sagenhaft schöne Ostküste zu erkunden. Er spielt das Familienoberhaupt, den „Capo“ Mario Scalli, dessen Neffe Gaetano sich in den sechziger Jahren im Rheinland in eine junge deutsche Verkäuferin verliebt. Was als biedere Petticoatschnulze mit gestanzten Dialogen rund um das Eiscafé der Gastarbeiterfamilie Scalli beginnt, endet als Spiel um Leben und Tod im Schatten des Ätna – und die couragierte Vera immer mittendrin. Lara Joy Körner spielt die Titelrolle mit dem Ausdruck permanenten Erstaunens – ob über Veras ungewöhnliches Schicksal oder über die ihr zugemuteten Stereotypen, bleibt dahingestellt. Vera, die selbst von ihrer Mutter verlassen wurde, hegt den innigen Wunsch nach einer intakten Familie und hat sich dafür ausgerechnet den labilen Gaetano ausgesucht. Ihn verkörpert der Österreicher Gunther Gillian verblüffend echt, während Berufsbösewicht Max Tidof als Unheil bringender Schwager Antonio chargiert, dass es schmerzt.

Joseph Vilsmaier kann bei dieser Degeto-Produktion seiner Neigung zum Pathos, wie er sie im Kino schon so oft unter Beweis gestellt hat, vorbehaltlos frönen. Dabei basiert der Film auf einer erschütternden Geschichte, die das Leben schrieb: der Autobiografie „Ich, die Frau des Paten. Als Deutsche in der Mafia“ (Ullstein) von Edith Kliez. Die Verkäuferin aus Lüneburg war 1978 ihrem Mann nach Sizilien gefolgt und in den „zweiten Mafiakrieg“ verwickelt worden. Seit 1993 lebt die Familie an wechselnden Wohnsitzen unter Polizeischutz.

„Wir sind wie der Fels und das Meer, und unsere Liebe ist wie die Brandung: Wir können gar nichts dagegen tun“: Mit solchem Schmelz kandiert Drehbuchautor Rolf-René Schneider seine sehr freie Adaption der Vorlage, wobei er Italiener meistens in Halbsätzen reden lässt: „Porca miseria, Polizei!“

Elisabeth Trissenar als radebrechende sizilianische Mamma, Martin Semmelrogge als verklemmter Einzelhändler und der ewiggleich spielende Heinz Hoenig als gute deutsche Seele von Catania: Wer zu Anfang dieses Ostermelodrams nicht schon aufgegeben hat, sieht sich im – besseren – zweiten Teil in eine Miniaturausgabe von Dieter Wedels „Schattenmann“ versetzt. Am Ende ist es allein die Schönheit Siziliens, die einen Film rettet, der nicht nur Italiener befremden dürfte.

„Vera – die Frau des Sizilianers“: ARD, Karfreitag und Ostersonntag, jeweils 20 Uhr 15

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