Medien : Schiller, Sex und Woody Allen

Tom Peuckert

verrät, was Sie nicht verpassen sollten Ein letztes Mal soll Schiller an dieser Stelle gefeiert werden. Ein letztes Mal geht es auf den Weimarer Parnass hinauf. Oder besser, in dessen düstere Begräbniskammern hinunter. Dort hat Goethe eben den Schädel seines vor 20 Jahren verstorbenen Freundes Schiller entdeckt. In Ingomar von Kieseritzkys satirischer Hörspielfabel „Schöne Schädeley oder Schiller bei Goethe zu Gast“ holt der Geheimrat die Reste des geschätzten Kollegen zu sich nach Hause, um mit ihm die Ereignisse seit dessen Tod durchzuplaudern. Der begnadete Ironiker Kieseritzky hat ein Faible für die Schattenzonen klassischer Existenzen. Für das untergründige Gebrubbel und nächtliche Fantasieren bedeutender Männer. Für verwirrende Geständnisse, die nie in die offiziellen Biografien gelangen (SWR 2, 12. Mai, 21 Uhr 03, Kabel UKW 107,85 MHz).

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Früher stritten die Deutschen darüber, ob Scherze mit ihren Klassikern erlaubt seien. Heute ist alles erlaubt, aber gute Witze sind trotzdem selten. Ist der Deutsche überhaupt humorfähig? Mit dieser lebenspraktischen Frage beschäftigt sich Andrea Springer in ihrem Feature „Nation der Komiker“ . Wie der Titel ahnen lässt, fällt die Diagnose positiv aus. Wir sind komischer als unser Ruf. Auf der Suche nach dem typisch deutschen Humor hat die Autorin Comedy- und Gagschulen im ganzen Land besucht und mit Experten gesprochen. Was genau ist lustig an Harald Schmidt? Was trennt Heinz Rühmann von Woody Allen? Erfahren Sie alles über Höhen, Tiefen und Untiefen der deutschen Lachkultur (Deutschlandfunk, 13. Mai, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

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Die Frau aus Gummi, die man im Erotikfachhandel erwerben kann, ist ein beliebtes Thema für Humoristen. Man kann das sonderbare Objekt auch zum Ausgangspunkt einer kulturhistorischen Abhandlung machen. In „Sexy, nett und sie kocht auch gut“ dokumentiert Rolf Cantzen die lange Geschichte einer männlichen Fantasie. Künstliche Frauen sind so alt wie die europäische Literatur. Schon 700 vor Christus erzählt Hesiod von einer Dame namens Pandora, die sich der Schmiedegott Hephaistos zum Zeitvertreib geschaffen habe. Bei E.T.A. Hoffmann heißt die künstliche Frau Olympia, in zeitgenössischen SF-Schmökern kommt sie häufig vor. Ein Wesen, das nicht aus Fleisch und Blut ist. Mal willige Gespielin, mal mörderischer Vampir. Mal Schreckensvision, mal Lustmaschine (Deutschlandfunk, 15. Mai, 20 Uhr 05).

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Dass Jackie Kennedy eine künstliche Frau war, behauptet Elfriede Jelinek im Hörspielmonolog „Jackie“ mit bewährtem Furor. Ihre Jackie ist eine Art weiblicher Kleiderständer mit elitärer Weltanschauung. Gerade im Jenseits angekommen, erinnert sich die einstige First Lady an ihr Leben im Dienst schöner Medienbilder. Im Kampf um ideale Posen hat sie sogar die große Rivalin Marilyn übertroffen. Nichts war echt, aber alles gut erfunden (Deutschlandradio Kultur, 16. Mai, 0 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

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Dank CNN sind wir alle zu Beobachtern der zeitgenössischen Kriege geworden. Wir sehen saubere Bombardements, Krieger in High-Tech-Rüstungen, schmutzige Bomben, die auf Märkten explodieren. Es fällt schwer, das Gesehene zu begreifen. Die rasanten Wandlungen der Kriegsbilder untersucht J. Monika Walther im Feature „Die neuen Kriege “. Details über die Schlachten von heute, die jenseits staatlicher Ordnungen geführt werden und in denen gegensätzliche Weltbilder aufeinander treffen. Kriege, die die Rationalitätsvorstellungen des Westens in ihrem Kern erschüttern (Deutschlandfunk, 17. Mai, 19 Uhr 15).

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