Medien : Schlafes Brüder

ARD-Kulturmagazine fürchten ihren neuen, späten Sendeplatz

Benedict Maria Mülder

Jetzt hat es sie also wieder erwischt: Die Sonntags-Kulturmagazine im Ersten, die verschiedene ARD-Anstalten abwechselnd produzieren, werden vom 16. November an um eine Viertelstunde nach hinten verlegt. Auf 23 Uhr. „Kulturreport“, „Kulturweltspiegel“ und „ttt“ müssen ihren Sendeplatz mit den „Tagesthemen“ tauschen. Die Intendanten haben es so entschieden – die Betroffenen haben es aus der Zeitung erfahren. „Das war nicht sehr elegant“, sagt Alexander Hellbrügge, Leiter Aktuelle Kultur beim Bayerischen Rundfunk.

„Jede Minute, die ein Kulturmagazin am Sonntag später kommt, schadet uns und schmälert die Zuschauerzahlen“, sagt Hellbrügge. Schon einmal kostete eine Programmänderung den Magazinen Millionen Zuschauer: als 1998 „Christiansen“ eingeführt wurde. Zuvor nahmen sie über drei Millionen Zuschauer vom „Tatort“ mit. Nach „Christiansen“ war es dann nur noch rund eine Million. Aber mit neuem Elan und einem erweiterten Kulturbegriff ging die Quote wieder rauf bis auf zwei Millionen Zuschauer. Wenn sie jetzt mit den „Tagesthemen“ den Sendeplatz tauschen, könnte sich zwischen einem Drittel und der Hälfte der Zuschauer verabschieden. „Der 23-Uhr-Termin am Sonntag“, sagt Hannelore Wolf vom RBB, „ist nicht mit einem Wochentag zu vergleichen. Die Leute gehen zum Wochenbeginn früher ins Bett, im Osten ohnehin.“ Wenn man einwenden würde, „Beckmann“ oder „Gabi Bauer“ würden zur gleichen Zeit gesendet, verkenne man außerdem den unterschiedlichen Charakter der Sendungen.

In einem Punkt wollen die Intendanten den besorgten Redakteuren entgegenkommen, sagt der ARD-Chefredakteur Hartmann von der Tann. An Sabine Christiansen sei die Bitte ergangen, nicht mehr, wie bisher oft, zu überziehen. Im Frühjahr will Hartmann von der Tann Zwischenbilanz ziehen. Sicher sei aber, dass es kein Termin auf Probe sei. Mal sehen, ob sich der fragwürdige Stellenwert der Kultur bei der ARD auf die Gebührendebatte auswirkt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben