"Schlag den Henssler" : Guter Einstand für Steffen Henssler bei ProSieben

Anderthalb Jahre nach dem Abschied von "Schlag den Raab" kehrte das Show-Format mit TV-Koch Steffen Henssler zurück - mit guter Quote und Denksportschwächen.

"Schlag den Henssler" mit Steffen Henssler
"Schlag den Henssler" mit Steffen HensslerFoto: obs

Ein TV-Koch wird Entertainer - verlieren musste der ehrgeizige Moderator bei seiner Show-Premiere am langen Samstagabend schon mal nicht. Nach fünf Stunden fiel Konfetti auf Steffen Henssler herab, und der 45-jährige Showmaster ballte die Fäuste. Gerade hatte er die erste Ausgabe seiner ProSieben-Show „Schlag den Henssler“ gewonnen. Die Haltung in der Sekunde des Triumphes hat er von seinem Vorgänger Stefan Raab („Schlag den Raab“) übernommen. Das Wasser konnte Henssler dem gewieften Entertainer Raab allerdings noch nicht reichen. Zu quälend war der Sieg, zu zäh die Show.

Natürlich tut man (und tut sich der Moderator selber nicht) Steffen Henssler keine Gefallen, hier den neuen Raab geben zu wollen. Der Kampf gegen den Kandidaten steht im Vordergrund, Ehrgeiz, und den hat Stefan Raab nicht allein für sich gepachtet. Selbstbewusstsein auch nicht, da kann sich der erfolgreiche TV-Koch („Grill den Henssler“) sowieso vorne anstellen. Steffen Henssler war heiß, hatte Bock. Viel konnte er kaum verkehrt machen. „Schlag den...“ ist keine Personality-Show wie Raabs „TV Total“.

Immerhin, gleich vier Shows buhlten am Samstagabend um die Aufmerksamkeit der Zuschauer. Während Jörg Pilawa im Ersten unter dieser Situation besonders litt, schlug sich Steffen Henssler bei seiner ProSieben-Premiere recht gut. Mit durchschnittlich 1,72 Millionen Zuschauern machte Henssler dort weiter, wo "Schlag den Star" zuletzt aufgehört hat. Insgesamt erreichte ProSieben einen Marktanteil von achteinhalb Prozent. Den Sieg musste man dennoch RTL überlassen.

Beim für ProSieben wichtigen Publikum zwischen 14 und 49 Jahren lag Henssler sogar bei 16,1 Prozent, deutlich über dem Senderschnitt von 9,4 Prozent, allerdings nicht auf „Schlag den Raab“-Niveau von häufig mehr als 20 Prozent. „Das war eine unglaubliche Sendung“, sagte Henssler laut ProSieben-Mitteilung am Sonntag. „Ein ziemliches Auf und Ab. Ich habe mich teilweise über mich selber geärgert. Hauptsache am Ende habe ich das Ding gewonnen, das war mein großes Ziel!“

Henssler muss bis zum Schluss kämpfen

Alle maximal möglichen 15 Spiele benötigte Henssler, um seinen Kontrahenten, den vom Publikum gewählten 31-jährigen Facility-Manager André aus Rostock zu bezwingen. Das letzte Match um 1 Uhr 15 nachts brachte die Entscheidung: Der Hamburger TV-Koch, bis vor kurzem noch bei Vox mit der Kochshow "Grill den Henssler" unter Vertrag, hielt sich länger an einer ganz normalen Teppichstange, während der mit 98 Kilo deutlich schwerere Widersacher als erster die Stange runterrutschte und den Boden berührte - das war's. Von Hensslers Muskelfaserriss - Grund für die Verschobene "Schlag den Henssler"-Premiere Anfang September - war nichts mehr zu merken.

Vom direkten Vergleich mit Stefan Raab auch nicht mehr, außer der Siegergeste. Körperlich war’s on top, frotzeltechnisch auch. Zwar bezwang Henssler seinen Gegner, offenbarte im Distanz-Vergleich mit dem mittlerweile 50-jährigen Raab, der zwischen 2006 und 2015 in 54 „Schlag den Raab“-Auftritten 38 mal siegreich war, aber Schwächen in Denksportspielen: So verwechselte er auf der Landkarte Berlin mit Magdeburg, asiatische Länder waren auch nicht seine Sache, er erkannte auf Fotos nicht besonders viele Prominente - ob Politiker oder Fußballer - und wusste beispielsweise weniger TV-Titelmelodien als sein Kontrahent André und auch als der ehrgeizige Raab, der einst diese Spiele für dieses Spektakel erfand.

Aber: Henssler zeigte sich bereit zu kämpfen. Nach Fehlwürfen beim Spielchen „Unsichtball“ lamentierte er wie einst Raab, der sein „Schlag den Raab“ von 2006 bis zu seinem Rücktritt 2015 54 Mal präsentierte und 38 Mal gewann. Beim Luftballonlauf holte sich Henssler einen blutigen Finger, und beim Buggy-Wettrennen fuhr er einen Reifen platt. Zweimal entfuhr ihm die Mecker-Einlage: „Leck mich am Arsch“, dann schimpfte er: „Lass mich in Ruhe“. Seine vielen Fehler beim „Unsichtball“ konnte er durch Einsatz nicht wettmachen und handelte sich von Hintergrund-Kommentator Elmar Paulke die Rüge ein: „mit Verlaub: peinlich“.

Henssler hat sein erstes Etappenziel trotzdem erreicht und seinem Gegner die 250 000-Euro-Siegprämie (bei Raab betrug die Belohnung noch glatte 500 000 Euro) vermiest. Im Interview mit dem Tagesspiegel hatte der gelernte Koch vor dem Debüt angekündigt, im Zweifel kein Mitleid mit dem Kandidaten zu haben. Es hat bei der Premiere gereicht. Wer Spiele ohne Grenzen mag (und viel Werbung erträgt), kann sich das über fünf Stunden anschauen. Wie lange sich Henssler in der Primetime mit Kandidaten herum schlagen darf, ist offen. Das hängt von den weiteren Quoten ab. meh/dpa

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