Medien : Schlag nach bei Google

Journalisten recherchieren im Internet am liebsten bei anderen Kollegen. Unter den ersten zehn Internetseiten, die von Journalisten am häufigsten angesteuert werden, stehen nicht Quellen aus erster Hand von politischen, wissenschaftlichen oder kulturellen Einrichtungen, sondern Online-Auftritte von Printmedien – vor allem Spiegel.de – und Fernsehen, die Suchmaschinen Google und Yahoo sowie die Enzyklopädie Wikipedia. Das hat eine Untersuchung der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) ergeben, die am Montag in Berlin vorgestellt wurde. „Computergestützte Recherche macht es Medienschaffenden noch einfacher, schnell nachzuschauen, was die Kollegen zu einem aktuellen Thema erarbeitet haben“, sagte der Leiter der Studie, Marcel Machill von der Uni Leipzig. Man schreibe sprichwörtlich voneinander ab. Für die Untersuchung wurden mehr als 600 Journalisten bei 34 Medien schriftlich befragt und 235 bei ihrer Arbeit beobachtet. Demnach bleibe das Telefon wichtigstes Rechercheinstrument. Danach werde aber unter Medienleuten sehr schnell bei Google gesucht. Experten, die bei der Suchmaschine unter den ersten zehn Treffern landen, hätten die größten Chancen, zu einem Thema interviewt zu werden.

Diese Art „Googleisierung“ sei mit Skepsis zu verfolgen, sagte Olaf Kische, stellvertretender Nachrichtenchef des MDR-Fernsehens, in einer anschließenden Diskussion. Es fänden viel mehr Überprüfungsrecherchen als früher statt, weil die Möglichkeiten größer geworden sind, entgegnete Lorenz Maroldt, Chefredakteur des Tagesspiegels. „Die Hitler-Tagebücher gab es auch schon vor Google.“ RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel setzt auf die Selbstkontrolle von Verlagshäusern und Sendern sowie die Aus- und Weiterbildung, um die Qualität journalistischer Leistungen in Zeiten der Internetrecherche zu erhalten. meh

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