Medien : Schlechter Nachgeschmack

Reinhard Siemes

Zu den seltenen Schoko-Stückchen in den deutschen Werbeblöcken gehört der Sparkassen-Film mit den Anlageberatern. Junge Frau holt ihren Liebling am Hafen ab. Bei der Umarmung entdeckt er an ihr verdächtige Veränderungen: Feines Tuch, teuren Schmuck und einen noblen Sportwagen im Hintergrund. „Hast Du jemanden kennen- gelernt?“ Sie nickt. Und man sieht als Auflösung drei grinsende Anlageberater der Sparkasse. Keine geleckten Models. Sondern die echten, zum Teil mit Bauch und ohne viel Haare.

Dieser Spot hat die Werbeagentur der Quadriga AG nicht ruhen lassen, verkauft die Beteiligungsgesellschaft doch ebenfalls Papiere zum reicher werden. Und zwar Fonds, deren Kurs nach eigenem Bekunden seit 1997 über 400 Prozent zugelegt hat. Für die gebeutelten Anleger in Zeiten wie diesen eine höchst erfreuliche Nachricht. Nicht aber für die Quadriga-Werbeagentur. Die wollte unbedingt den Sparkassen-Film toppen.

Das ist ihr auch gelungen - in die andere Richtung. Eine Frau sagt zu ihrem Liebling: „Du, ich habe einen anderen.“ (Sie meint den Fonds.) „Er arbeitet schon seit über fünf Jahren an der Börse.“ Es folgt das übliche Gerede vom Erfolg. Und ein schlechter Nachge- schmack. Man merkt, wie sich die Kreativen einen abgebrochen haben.

Als sie endlich merkten, dass der Sparkassen-Spot eine andere Liga ist, kamen sie auf die Idee, den Zuschauer zu veralbern. Das Ergebnis ist ein Elaborat, dicht am dummen Fielmann-Filmchen. Den haben Sie bestimmt schon gesehen. Zwei ältere Männer sitzen am Seeufer: „Wenn Du dein Leben noch einmal leben könntest, würdest du alles noch einmal machen?“ „Nicht ganz. Ich würde von Anfang an meine Brille bei Fielmann kaufen.“ Am besten mit undurchsichtigen Gläsern - für die Werbepausen, in denen der Quadriga- und der Fielmann-Spot laufen.

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