Schleichwerbeverdacht : SWR lässt „Goldbären“ golfen

20 Mal war die Haribo-Süßigkeit im Bild. Fritz Frey, der Chefredakteur des ARD-Senders, räumt Grenzüberschreitung ein. Konsequenzen schloss er jedoch aus.

In der ARD gibt es offenbar einen neuen Fall von Schleichwerbung. Einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ zufolge geht es um einen Bericht der SWR-Sportsendung „Flutlicht“ von einem Golf-Benefizturnier Ende August nahe Koblenz. Der knapp zehnminütige Beitrag habe streckenweise wie ein Werbefilm für einen der Sponsoren des Turniers, den Süßwarenhersteller Haribo, angemutet, berichtete das Magazin.

So habe etwa das Goldbären-Maskottchen Golf gespielt und es seien Fußballspiele mit Gummibärchen nachgespielt worden. Insgesamt sei die Marke 20 Mal im Bild gewesen, vier Mal sei der Name genannt worden, unter anderem vom Moderator der Benefiz-Veranstaltung, Holger Wienpahl, der als freier Moderator des SWR sonst auch „Flutlicht“ moderiert. Auch von dem Golfturnier habe Wienpahl ein Interview für „Flutlicht“ mit Stargast und Mitveranstalter Franz Beckenbauer geführt und dabei den Namen des Sponsors Haribo genannt. Wienpahl sagte dem Nachrichtenmagazin dazu, er sei von dem Unternehmen weder beauftragt worden, die Gala zu moderieren, noch von diesem honoriert worden. Nach Informationen des „Spiegels“ wurde der Moderator von der rheinland-pfälzischen Lottogesellschaft engagiert, die ebenfalls ein Sponsor der Veranstaltung war.

Der Leiter der SWR-Sportredaktion, Claus-Dieter Gerke, erklärte, Haribo habe ursprünglich sogar vorgeschlagen, die gesamte „Flutlicht“-Sendung live vom Golfplatz zu übertragen und einen Teil der Kosten zu übernehmen. Das habe er abgelehnt. Zu dem Beitrag, der dann gesendet wurde, sagte Gerke: „In der Masse waren die Haribo-Elemente unhaltbar. Es gab jedoch keine Möglichkeit mehr, den Beitrag ausreichend zu ändern.“ Um kein Loch in der Sendung zu haben, habe er schließlich seine Zustimmung gegeben. SWR-Chefredakteur Fritz Frey sprach von einer „klaren Grenzüberschreitung, die nicht zu akzeptieren“ sei. Dies schade „dem Ruf des Sportjournalismus in der ganzen ARD“. Direkte Konsequenzen will Frey aber nicht aus dem Vorfall ziehen. ddp

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