Schleichwerbung : Bier her!

Trotz eindeutiger Regeln plagt sich das ZDF mit neuen Vorwürfen von unerlaubter Werbung. "Wetten, dass...?" ist, wie fast immer, dabei.

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Vor der Verschärfung der Richtlinien für Produktwerbung bei „Wetten, dass...?“ freute sich sich Thomas Gottschalk über Schalen voll Gummibärchen auf dem Tisch.
Vor der Verschärfung der Richtlinien für Produktwerbung bei „Wetten, dass...?“ freute sich sich Thomas Gottschalk über Schalen...Foto: dpa

Sendersprecher Alexander Stock weiß es ganz genau, „Schleichwerbung ist grundsätzlich verboten“. Umso unangenehmer ist es für das öffentlich-rechtliche ZDF, wenn seit Tagen etwaige Verstöße gegen dieses Verbot bekannt werden. In dem Film „Familiengeheimnisse“, den das Zweite am vergangenen Sonntag ausstrahlte, hatte die Schauspielerin Dennenesch Zoudé ein Parfüm präsentiert, dessen Logo stark dem Emblem ihrer echten Kosmetikserie ähnelte. Eine Überprüfung durch die ZDF-Clearingstelle habe ergeben, „dass das Motiv anscheinend unbedacht und ohne kommerziellen Hintergrund zum Einsatz kam“, hieß es vom Sender. Die Ähnlichkeit der beiden Markenzeichen sei weder dem Produzenten noch dem Kosmetikhersteller oder der ZDF-Redaktion bekannt gewesen. Also: keine Schleichwerbung. Trotzdem werden die betroffenen Sequenzen vor einer erneuten Ausstrahlung verändert.

Das ZDF sagt, es habe ein klares Regelwerk für die Zusammenarbeit mit Produzenten. So müssen etwa kostenlose Beistellungen, wenn sie von Produktionsfirmen in Anspruch genommen werden, der Clearingstelle des ZDF angezeigt und von dieser genehmigt werden. Sie prüft die Umsetzung und die entsprechende Sendung. Wenn der Wettkönig bei „Wetten, dass...?“ einen Audi bekommt, mag das für den Zuschauer glasklare (Schleich-)Werbung sein, für das ZDF ist es eine gesetzlich erlaubte Beistellung im Rahmen eines Gewinnspiels, die im Abspann für jedermann transparent gemacht wird.

Die „Bild“-Zeitung wird der Recherche nicht müde, in Serien, Reihen wie dem „Traumschiff“ und Mehrteilern wie der „Affäre Semmeling“ unerlaubte Produktplatzierung nachzuweisen. Das ZDF wiegelt mit Hinweis auf eigene Überprüfungen stets ab. Der Sender betont, dies seien Vorgänge, „die viele Jahre zurückliegen. In einigen Fällen handelt es sich um damals bei Produzenten und Sendern übliche Kooperationsformen, die dazu dienten, Kosten zu reduzieren. Diese Praxis wurde im Jahr 2004 beendet. Seither gelten strenge Richtlinien.“

Trotzdem kann sich der Sender nie sicher sein, siehe „Familiengeheimnisse“. Wie die gesamte Fernsehbranche, so produziert der Mainzer Sender nicht sein gesamtes Programm selbst. Nachrichten und Magazine kommen zwar aus dem eigenen Haus. Die fiktionalen Produkte, die Unterhaltungsshows, sind jedoch Auftragsproduktionen, und es ist keineswegs ausgeschlossen, dass alle Produzenten sich im Sinne verminderter Kosten, respektive höherer Gewinnmargen, nicht hier und da „bezuschussen“ lassen.

Die Show „Wetten, dass...?“ ist mehr als einmal in den Dunstkreis solcher Verdächtigungen geraten. Laut „Bild“ konnte die Brauerei Warsteiner ihre Produkte zwischen 2004 und 2006 immer ins ZDF-Bild rücken, mit ordentlichem Vertrag und gegen Bezahlung von rund einer Million Euro. Vertragspartner waren das Unternehmen und die Firma „Dolce Media“. Geschäftsführer von Dolce Media ist Christoph Gottschalk, Bruder des Showmoderators. Diese Firma hat laut ZDF Lizenzrechte für das Senderlogo und Verwertungsrechte für Sendungsausschnitte. Das ZDF partizipiert an dieser Verwertung. „Die Zusammenarbeit basiert auf klaren vertraglichen Regeln“, sagt Sprecher Stock, „und funktioniert reibungslos“.

„Bier-Werbung“ war nicht. Es habe sich um einen Catering-Vertrag gehandelt. „Schleichwerbung heißt, dass gegen Geld ein werblicher Hinweis ins Programm gedrückt wird. Genau das hat nicht stattgefunden“, sagte ein Sprecher. Für das ZDF steht am Ende der Woche fest: Es hat keine Schleichwerbung gegeben, weder bei den „Familiengeheimnissen“ noch bei „Wetten, dass...?“. Joachim Huber

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