Schleichwerbung : Kiewel erhält Kündigung

Zum Jahreswechsel soll Schluss sein: Andrea Kiewel darf die Sendungen "Fernsehgarten" und "Kult am Sonntag" nicht weiter moderieren. Damit zieht das ZDF Konsequenzen aus den Schleichwerbungsvorwürfen.

Joachim Huber,Sonja Pohlmann
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"Schleichwerbung ist nicht akzeptabel". Die Sender ziehen Konsequenzen. -Foto: ddp

Andrea Kiewel muss sich neue Arbeitgeber suchen. Das ZDF, aber auch der MDR haben sich am Freitag von der Moderatorin getrennt. Beide öffentlich-rechtlichen Sender begründen ihre Entscheidung mit Kiewels jüngst bekannt gewordener Schleichwerbung für die Organisation „Weight Watchers“. Im ZDF hat Kiewel Sendungen wie den „Fernsehgarten“ und „Kult am Sonntag“ moderiert, im MDR-Fernsehen war sie mit Jan Hofer und Jörg Kachelmann Gastgeberin in der Talkshow „Riverboat“. Die 42-jährige Ostberlinerin ist damit jäh abgestürzt. Ihre Fernsehkarriere hatte die frühere Sportlerin und Lehrerin noch beim DDR-Fernsehen DFF begonnen. Weitere Stationen waren unter anderem der SFB und das Sat-1-Frühstücksfernsehen, ehe Kiewel im Juni 2000 Moderatorin des „Fernsehgartens“ wurde.

ZDF-Intendant Markus Schächter erklärte, Schleichwerbung in Sendungen des ZDF sei „nicht akzeptabel“. Zuvor war bekannt geworden, dass Kiewel für eine Kooperation mit „Weight Watchers“ 35 000 Euro erhalten haben soll. Kiewel sollte demnach pro Woche 500 bis 800 Gramm verlieren und an PR-Aktionen teilnehmen. Entscheidend war jedoch eine Klausel über Sonderzahlungen. Sie wurden der Moderatorin von „Weight Watchers“ zugesichert, sollte sie das Unternehmen in Formaten wie „Wetten dass...?“, „Beckmann“ oder „Kerner“ platzieren. Als Kiewel am 23. Januar 2007 Gast in der Talkshow ihres ZDF-Kollegen Johannes B. Kerner war, pries sie die Diätorganisation an. So sehr, dass Kerner skeptisch wurde und sie nach einem Werbevertrag fragte. Kiewel stritt dies ab. Eine Lüge, wie sich jetzt herausstellte. Nach ersten Medienberichten bekannte sich Kiewel zum PR-Vertrag mit „Weight Watchers“ und entschuldigte sich.

Nach Informationen von Spiegel Online schlossen die Moderatorin und „Weight Watchers“ bereits im Februar 2001 eine Vereinbarung über PR-Aktivitäten. Sollte Kiewel Details ausplaudern, drohte eine Strafe von damals 30 000 Mark. Im Februar 2007 endete Kiewels Vertrag mit der Diätorganisation.

Damals waren freie Moderatoren wie Kiewel noch nicht verpflichtet, ihre Werbeaktivitäten vom Sender genehmigen zu lassen. Diese Pflicht wurde erst in neue Verträge aufgenommen. Das ZDF wusste zwar bereits nach Kiewels „Kerner“-Auftritt von dem PR-Vertrag und ermahnte die Moderatorin. Erst jetzt habe man aber von der Klausel über Sonderzahlungen erfahren, teilte der Sender mit. Dies habe die „Vertrauensbasis“ zerstört, sagte Schächter. ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut sagte, jeder Moderator und jede Moderatorin im ZDF wüssten, „dass Schleichwerbung verboten ist“. Es tue ihm leid, dass das ZDF „damit eine beliebte Moderatorin“ verliere. Die bereits produzierten Weihnachts- und Sylvestersendungen mit Andrea Kiewel sowie drei Folgen der Reihe „Kult am Sonntag“ wird das ZDF noch zeigen. Die Sendungen seien überprüft worden und nicht zu beanstanden.

Die „Kerner“-Sendung vom 23. Januar 2007 sowie die Kochsendung „Lafer, Lichter, Lecker“ vom 13. Januar 2007, in denen sich Kiewel zu den „Weight Watchers“ geäußert hatte, werden laut ZDF nicht mehr wiederholt oder in der ZDF-Mediathek bereitgestellt. Bei der Überprüfung von Sendungen, in denen sie seit Bestehen ihres PR-Vertrages über „Weight Watchers“ gesprochen habe, sei auch eine Ausgabe des Service-Magazins „Volle Kanne!“ vom 5. Dezember 2006 gefunden worden. Auch diese Sendung werde nicht mehr wiederholt.

Am Donnerstag hatte das ZDF versehentlich die Kochshow ausgestrahlt, in der Kiewel über das Diätunternehmen witzelt. ZDF-Sprecher Alexander Stock sprach von einem „Fehler“, der nicht hätte passieren dürfen.

MDR-Fernsehdirektor Wolfang Vietze begründete den Rauswurf Kiewels bei „Riverboat“ so: „Schleichwerbung ist bei einer Moderatorin im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht akzeptabel.“ Die für den gestrigen Freitagabend bereits aufgezeichnete Sendung von „Riverboat“ sollte aber noch ausgestrahlt werden.

Nach Angaben von Kiewels Management sei mit einer Stellungmahme der Moderatorin zum Rauswurf bei ZDF und MDR vor Weihnachten nicht mehr zu rechnen. Sie sei auf Reisen.

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