Schmähungen gegen Erdogan : Britische Zeitung startet Beleidigungs-Wettbewerb

In der Debatte um das Böhmermann-Gedicht legt „The Spectator“ nach und lobt 1000 Pfund aus für den bösesten Erdogan-Limerick.

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Über das Sexualleben des türkischen Präsidenten wird derzeit viel spekuliert.
Über das Sexualleben des türkischen Präsidenten wird derzeit viel spekuliert.Foto: Umit Bektas/REUTERS

Auch eine Woche nachdem Jan Böhmermann eine vorläufige Auszeit verkündet hat, steht Erdogan-Bashing hoch im Kurs, und das nicht nur in Deutschland. Die britische Zeitung „The Spectator“ bietet rund 1000 Pfund für das beste Schmähgedicht auf den türkischen Staatspräsidenten.

Er sei ein frei geborener britischer Mann und lebe nicht unter dem Blasphemie-Gesetz von „Despoten“, schreibt der Autor Douglas Murray in dem konservativen Blatt. Also habe er über das Wochenende ein paar beleidigende Limericks über Erdogan verfasst. „Ich lade alle Leser ein, bei einem großen Erdogan Limerick-Wettbewerb mitzumachen.“ Die Kurztexte sollten so beleidigend wie möglich sein.

Auch in Deutschland gehen die derben Späße munter weiter. Am Donnerstag hatte die satirische Partei „Die PARTEI“ aus dem nordrhein-westfälischen Radevormwald gezielte Verstöße gegen drei Beleidigungsparagrafen veröffentlicht.

Dort wurde der bekannte Vorwurf gegen Erdogan wiederholt, dieser treibe Unzucht mit Ziegen. Jesus sei, nun ja, ein „Hurensohn“, und Bundespräsident Joachim Gauck stinke nach Hunde-Exkrementen. „Fortsetzung folgt…“, prangt bedrohlich unter den drei Schmähungen. Über jedem Satz steht der dazugehörige Paragraf, gegen den damit verstoßen werden soll. „Die Partei“ steht der Satirezeitschrift „Titanic“ nahe und ist mit Martin Sonneborn im EU-Parlament vertreten.

Gegen die „berufsmäßig beleidigten Leberwürste“

Der britische „Spectator“ war nicht die erste Zeitung mit einem Schmähgedicht-Contest. Bereits am 7. April startete die linke Berliner Wochenzeitung „Jungle World“ eine ähnliche Aktion. „Wir haben das erfunden“, sagt Redakteur André Anchuelo dem Tagesspiegel.

Die Zeitung schrieb damals, nach der Zensur des Böhmermann-Gedichts durch das ZDF frage sich die Medienwelt, wie man mit „berufsmäßig beleidigten Leberwürsten“ umgehen solle. Ihre Lösung: „Sie jetzt erst recht beleidigen. Zeit für eine Schmähgedicht-Challenge.“ In der vergangenen Woche wurden die drei besten Gedichte veröffentlicht, die allerdings wesentlich moderater sind als die Werke von Böhmermann und der „PARTEI“.

Ob sich Böhmermann über die vermeintlichen Solidaritäts-Aktionen von „The Spectator“, „Die PARTEI“ und „Jungle World“ freut, ist fraglich. Der „Neo Magazin Royale“-Moderator hält sich derzeit bedeckt. Sowohl sein Twitter-Account als auch seine Facebook-Seite sind weitgehend eingeschlafen. Zuletzt hatte sich der „Neo Magazin Royale“-Moderator eine „kleine Fernsehpause“ verordnet. Bundeskanzlerin Merkel hatte Ermittlungen gegen ihn gemäß des Beleidigungsparagrafen 103 zugelassen. Seine Sendung wird derzeit nicht weiter produziert.

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