Medien : Schmidt & Co. bei der ARD: Was bleibt den Privaten?

Joachim Huber

Die Personalie fehlt noch: Günther Jauch wechselt vom Privatsender RTL zur öffentlich-rechtlichen ARD. Dort würde er all jene treffen, die nach einigen Jahren Engagement bei RTL & Co. wieder für die öffentlich-rechtlichen Sender arbeiten. Die lange Liste wird mit Harald Schmidt (Sat 1, künftig ARD) noch länger: Monica Lierhaus (Premiere/ARD), Reinhold Beckmann (Sat 1/ARD), Johannes B. Kerner (Sat 1/ZDF), Jörg Pilawa (Sat1/ARD), Sandra Maischberger (früher n-tv, jetzt ARD und n-tv). Der Medienwissenschaftler Siegfried Weischenberg sieht in dem anhaltenden Wechselfieber ein Symbol für den Niveauverlust der Privatsender. Im privaten Fernsehen sei seit einiger Zeit ein Mangel an Innovationsfreude feststellbar. „Alles, was aus dem Rahmen fiel oder kulturell hochwertig war, wurde aufgegeben“, sagte der Journalistik-Professor der Deutschen Presse-Agentur (dpa), „die kreative Fortentwicklung, die einige Jahre lang im privaten Fernsehen zu beobachten war, ist gestoppt“. Weischenberger sieht nur noch zwei Ausnahmen in diesem Trend: Einmal die Sendungen mit Günther Jauch, zum anderen Hugo Egon Balder, der der „große King“ bei Sat 1 mit „Genial daneben“ und anderen Formaten sei.

Die öffentlich-rechtlichen Programme können den Stars allerhand bieten: Üppige und sichere Honorare, attraktive Programmplätze. Grob gesprochen, wird das ZDF-Programm heute von Kerner und Thomas Gottschalk (auch er werkelte schon für RTL und Sat 1) dominiert, die ARD hat den „Fernsehmarken“ Lierhaus, Pilawa, Beckmann mehr als eine Auftrittsmöglichkeit zur besten Sendezeit eingeräumt. Wenn jetzt Harald Schmidt zur ARD kommt, markiert dieser Schritt nur einen weiteren Unterschied zur privaten Konkurrenz: Eine „Late Night Show“ hübscht das Image eines Senders auf, ist betriebswirtschaftlich aber ein Zuschussgeschäft. Bei den Privatsendern gilt das Motto der Stunde: „Geiz ist geil“. Noch schlimmer als die Blamage wie mit „Hire or Fire“, von Pro 7 nach einer Sendung gekippt, oder der missratenen „Anke Late Night“ ist der fortgesetzte Verlust, den ein Programm einem Sender beschert.

Zudem garantiert der Einkauf „großer Namen“ nicht sogleich den Erfolg beim großen Publikum. RTL liegt in der Zuschauergunst weiterhin vor ARD, ZDF, Sat 1 und Pro 7.

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