Medien : Schnäppchen-Fernsehen

Einkaufen nach Ebay-Art: Der Shoppingkanal 1-2-3.TV geht auf Sendung

Nicole Huss

Die deutschen Homeshopping-Sender bekommen Konkurrenz: Am Freitag startet der Einkaufskanal 1-2-3.TV, der bundesweit analog und digital über Satellit ausgestrahlt wird. Der Sender will sich von Homeshopping-Kanälen wie HSE 24, QVC und RTL Shop abgrenzen, die Waren zu festen Preisen verkaufen. Bei 1-2-3.TV werden – ähnlich wie beim Online-Auktionshaus Ebay – alle Produkte zu variablen Preisen versteigert. „Ein Sender mit einem variablen Preismodell ist absolut neu in Deutschland“, sagt Geschäftsführer Henning Schnepper, der früher Vorstand von Hot Networks war. Er wies darauf hin, dass diese Form des Transaktions-Fernsehens in Ländern wie Großbritannien bereits sehr erfolgreich sei.

Beim neuen Shopping-Kanal werden zunächst in Live-Auktionen alle Produkte für einen Euro angeboten. Anschließend können die Zuschauer über die Telefontastatur für den Artikel bieten. Pro Minute müssen sie dabei zwölf Cent Telefongebühren bezahlen. Während der Gebote können die Zuschauer live auf dem Bildschirm die Angebote anderer Kunden mitverfolgen und ihr Gebot während der Produkt-Präsentation erhöhen. Diejenigen Zuschauer mit den höchsten Geboten erhalten die Ware, von der jeweils etwa 30 Stück angeboten werden. Bezahlt werden muss immer nur der niedrigste Preis, der von allen zum Zug gekommenen Käufern angeboten wurde. „Schnäppchenjäger kommen so voll auf ihre Kosten“, sagt Schnepper.

Vor allem im ersten Monat sei denkbar, dass die Produkte häufig für den Mindestpreis von einem Euro verkauft werden, sagt Mitgeschäftsführer Andreas Büchelhofer. 1-2-3.TV könne sein Sortiment vergleichsweise billig anbieten, weil der Sender kostengünstig wirtschaften will und viele Waren aus Lagerüberhängen stammen. Im Gegensatz zu Stationen wie HSE 24 will 1-2-3.TV weniger Kosmetik und Textilien, dafür mehr elektronische Geräte und Trendprodukte anbieten, um auch jüngere und männliche Kunden anzulocken. „Wir werden deutlich unter den Preisen unserer Konkurrenten liegen“, kündigte Büchelhofer an. Der Sender will in zwei Jahren profitabel sein und bis dahin etwa 500 000 Stammkunden haben.

Das Unternehmen mit Sitz in Unterföhring bei München profitiert von der Strukturkrise im Medienbereich und den damit verbundenen niedrigen Produktionskosten. Da personalintensive Bereiche wie Call-Center oder Logistik ausgelagert wurden, seien auch die Personalkosten gering. Zur Zeit sind rund 40 Mitarbeiter beim Shopping-Sender beschäftigt, mittelfristig soll ihre Zahl auf 80 wachsen.

Der Sender ist zunächst täglich zehn Stunden lang analog und digital über den Astra-Satellit zu sehen. Analog wird das Programm auf dem Kanal von RBB Berlin ausgestrahlt, mit dem sich der Sender die Frequenz teilt. Bis zum Frühjahr 2005 will 1-2-3.TV rund um die Uhr senden.

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