Medien : Schock am 7. Dezember 1941

Iris Ockenfels

Angesichts der schockierenden Ereignisse vom 11. September fiel den Amerikanern nur ein Ereignis ein, das ihre Nation in ähnlichem Maße erschütterte - der japanische Bombenangriff auf den US-Marinestützpunkt Pearl Harbor vor 60 Jahren. Die Dokumentation "Pearl Harbor" (heute im NDR-Fernsehen um 23 Uhr 05) erinnert noch einmal an den Überraschungsangriff der Japaner vom 7. Dezember 1941. In knapp zwei Stunden wurden 19 Schiffe im Pazifik versenkt, 150 Flugzeuge zerstört, 2400 Soldaten und Zivilisten getötet. Wenige Tage später befanden sich die USA im Krieg mit Japan und Deutschland. Die Doku geht kaum auf die Hintergründe ein. Sie zeigt vielmehr die Ereignisse unmittelbar während und nach dem Angriff, und zwar abwechselnd aus Sicht der Japaner und der Amerikaner.

Das Filmmaterial wurde aus den USA angekauft. Der NDR hat die Bilder ergänzt durch Interviews mit ehemaligen japanischen Piloten, die damals die Bomben im Tiefflug auf Pearl Harbor abwarfen. Einer von ihnen berichtet eindrucksvoll, wie sein Stolz als waghalsiger Flieger "für die Ehre des Kaiserreichs" zu kämpfen erst Jahrzehnte nach dem Angriff in Schuldbewusstsein über diese "Schandtat" umschlug. Neben bislang in Deutschland nicht gezeigtem Farbfilmmaterial wurden für die Dokumentation des Angriffs auch Spielfilm-Sequenzen genutzt. Außerdem ist eine nachgestellte Verhörszene zwischen amerikanischen Soldaten und Kazuo Sakamaki, dem ersten japanischen Kriegsgefangenen der USA, zu sehen.

Das NDR-Fernsehen schließt an den "Pearl Harbor"-Film die zweiteilige Dokumentation "Im Namen des Tenno - Japan im Zweiten Weltkrieg" an (Mittwoch, 12. und 19. Dezember, jeweils 23 Uhr). Der Film ist eine Koproduktion von NDR, BBC und History Channel. Es geht um Aufstieg und Fall der Großmacht Japan. Der erste Teil schildert die Entwicklung eines dem Westen aufgeschlossenen Landes bis zum Eintritt in den Zweiten Weltkrieg. Teil zwei zeigt den Kriegsverlauf im Pazifik. Die Dokumentation analysiert dabei die Expansionspolitik Japans, die Rolle des Kaisers und die besondere Bedeutung der Staatsreligion des Shintoismus. Beide Teile beschäftigen sich intensiv mit der damals vorherrschenden Mentalität in Japan, die einen starken Siegeswillen, Überlegenheitsdenken und Grausamkeiten gegenüber den unterlegenen Gegnern hervorbrachte. Zudem gehen sie der Frage nach, warum die Japaner ihre Kriegsverbrechen tabuisierten.

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