Medien : Schöne Bescherung, wüste Bescherung

Was uns das Fernsehen zu Weihnachten schenkt: Ein kleiner TV-Führer durch die Programme an den Festtagen

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Endlich mal eine klare Mehrheit: 60 Prozent der Deutschen wollen den Heiligen Abend und die Feiertage vor allem vor dem Bildschirm verbringen. Laut einer Umfrage des Forschungsinsitutes Forsa stehen für 73 Prozent der Befragten Spielfilme ganz oben auf dem TVWunschzettel. In dieser Hinsicht müssen sich die Zuschauer Heiligabend entscheiden, was ihnen lieber ist: „Eine schöne Bescherung“ (ARD) oder „Eine wüste Bescherung“ (RTL, beides 20 Uhr 15). Spezielle Sendungen zum Thema Weihnachten kommen bei Frauen (55 Prozent) besser an als bei Männern (36 Prozent). Lediglich sechs Prozent der Befragten gaben an, den Fernseher an Weihnachen gar nicht anzuschalten. Für die übrigen 94 Prozent haben wir das Festtags-Programm ein wenig vorsortiert.

Für Kleine und Große

Aufregend ist das „Warten aufs Christkind" (24.12., WDR, 14 Uhr 10). Mit Dirk Bach vergeht die Zeit bis zur Bescherung schneller. Bei Käpt’n Blaubär, Pumuckl und Schneemann Willi vergessen wir glatt die Geschenke. Eine gute Tat am Weihnachtstag leistet Hafenkater Zorbas. In einem Zeichentrickfilm können Kleine und Große verfolgen, „Wie Kater Zorbas … der kleinen Möwe das Fliegen beibrachte" (24.12., KiKa, 14 Uhr 45), Wenn Kinder fragen, antworten Prominente (24.12., RTL, 19 Uhr 10), zumindest bei Peter Kloeppels und Ulrike van der Groebens Jahresrückblick. Was Christina Rau, Jeanette Biedermann, Michelle Hunziker und Xavier Naidoo erzählen, dürfte spannend werden.

Für Traditionsbewusste

Nicht gerade mit Spannung erwartet, dafür traditionell: die alljährliche Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten (25.12., ARD, 20 Uhr 05). Tradition speist sich ja aus der Vergangenheit, die wiederum gern verklärt wird. „Schwarzwaldhaus 1902“ (ab 24.12., ARD, 14 Uhr 30) zeigt den Romantik-Fans, wie es wirklich war. Als der Mensch noch von seiner Scholle lebte, Arbeit müde machte und Gott das Wetter. Die Zeiten ändern sich, aber „Euch ist heute der Heiland geboren“ (24.12., Evangelische Christvesper, ARD, 16 Uhr) jubeln wir noch immer. Welche Probleme zu viel Tradition mit sich bringt, erfährt „Friedrich Freiherr von der Trenck“ (25.12., Arte, 20 Uhr 40), als er sich unstandesgemäß in die Schwester des preußischen Königs verliebt. Ein farbenprächtiges Kostümdrama mit Ben Becker in der Hauptrolle. Lieb gewonne Tradition dagegen ist die tägliche Ansage „Es ist 20 Uhr … – Die Tagesschau“ (26. 12., ARD, 22 Uhr 05). Ein kurzweiliges Doku-Drama über „Die Mutter aller Nachrichtensendungen“.

Für Romantiker

Gefühls-Fernsehen garantiert die x-te Wiederholung der „Sissi“-Trilogie (25., 26. und 27.12., Sat 1, jeweils 20 Uhr 15). Alle Jahre wieder rühren uns Kaiser Franz (Karl Heinz Böhm) und Prinzessin Sissi (Romy Schneider) zu Tränen. Den Romantikern direkt vom Himmel geschickt: Neun Jahre nach „Pretty Woman“ standen Julia Roberts und Richard Gere für „Die Braut, die sich nicht traut“ (25.12., RTL, 20 Uhr 15) erneut gemeinsam vor der Kamera. Und es funkt wieder: Dreimal hat die hübsche Maggie vor dem Traualtar schon kalte Füße bekommen, bis sie auf den Boulevard-Reporter Ike trifft. Der soll es werden. In „Cyrano de Bergerac" (25.12., RTL, 13 Uhr 50) wagt es Gérard Depardieu erst gar nicht, der schönen Roxane (Anne Brochet) seine Liebe zu gestehen. Zu groß ist seine Nase .

Für Pessimisten

Pessimisten haben ’s schwer an Weihnachten. Einerseits steht der Jahreswechsel vor der Tür - ausreichend Grund für düstere Zukunftsprognosen, andererseits wollen sich Verwandte und Freunde die heitere Festtagsstimmung nicht mit negativen Orakeln vermiesen lassen. Da hilft nur eins: Die Flucht nach vorn! Nur Geduld - die Welt ist doch nicht so schlecht! „Der Graf von Monte Christo“ (ab 24.12., Sat 1, 16 Uhr 05) kämpft sogar ein Leben, beziehungsweise vier Folgen lang, bis am Ende die Gerechtigkeit siegt. Wo aber waren Gott und seine himmlischen Helfer, als in den KZs Millionen Menschen ermordet wurden? Als der lebenslustige Guido mit seiner Familie deportiert wird, schwindelt er seinem Sohn vor, das Grauen wäre nur ein Abenteuerspiel. „Das Leben ist schön“ (25.12., Südwest, 20 Uhr 15). Roberto Benignis berührender Film über die Kraft des Humors in schlimmen Zeiten.

Für Optimisten

Und siehe: Verbrecher sind die wahren Engel! Gute Taten werden belohnt! Luxusliner sinken nicht! Die süßen Lügen, wie gern haben wir die gerade zum Weihnachtsfest. Gauner wie Humphrey Bogart und Peter Ustinov behaupten zwar „Wir sind keine Engel“ (24.12., Kabel 1, 20 Uhr 15), aber wer weiß? In „Babettes Fest“ (25.12., 3sat, 15 Uhr 50) belohnt das Schicksal die guten Taten eines Dorfes mit einem saftigen Lottogewinn, und auf dem Zweiten wird wieder alles gut, wenn „Das Traumschiff“ (26.12., ZDF, 20 Uhr 15) in Thailand unterwegs ist.

Für Musikliebhaber

Wenn die Glöckchen klingeln: Wie jedes Jahr gibt es an Heiligabend das Weihnachtsoratorium von Bach (24.12., MDR, 22 Uhr 45). Mit Thomanerchor und Gewandhausorchester Leipzig direkt ins Wohnzimmer. „Klassisch!" (19 Uhr 15) weiter geht es am ersten Weihnachtstag im ZDF: Zu Gast bei Senta Berger ist Sänger Thomas Quasthoff. Pop-Ikone Madonna singt sich durch das Leben der argentinischen Volksheldin „Evita“ (24.12., Sat 1, 19 Uhr 30). Welcher Song ist der Hit 2002? MTV zeigt für „Jingle Bells"–geschädigte Ohren zehn Stunden lang die „Jahrescharts" (25.12., 12 Uhr).

Für Singles

An Weihnachten allein? Kein Grund traurig zu sein! Schließlich macht einem dann auch niemand die Fernbedienung streitig. Eine regelrechte Warnung vor zu viel Zweisamkeit ist „Othello“, (25.12., RTL 2, 20 Uhr 15), das mit Laurence Fishburne und Kenneth Branagh genial besetzte Eifersuchtsdrama von Shakespeare. Wer sich beim Heiraten noch Illusionen macht: „Muriels Hochzeit“ (25.12., ARD, 23 Uhr 30) vertreibt sie mit australischem Witz.

Für Sofa-Helden

Es kann nur einen geben – und das ist der „Highlander" Christopher Lambert (24.12., Pro 7, 22 Uhr 10 ) . Ein Fantasyklassiker, der den stärksten Helden aus dem Sofa haut. Nicht unbedingt besinnlich weiter geht es, wenn Will Smith ins Visier der Geheimdienste gerät. Der Action- Film „Staatsfeind Nr.1“, (RTL, 26. 12., 20 Uhr 15) zeigt ein Überwachungsszenario, das die fürchterlichsten Alpträume von Orwell und Huxley noch übertrifft, ist der „Men in Black“-Star ausnahmsweise nicht zum Scherzen aufgelegt. „Fargo – Blutiger Schnee" (26.12., ZDF, 23 Uhr 25) – ein Titel, ein Film, wie er zu Weihnachten nicht unbedingt passt. Zwei Oscars und die Goldene Palme gab es für den makabren Krimi der Coen-Brüder, in dem eine schwangere Polizistin Entführer jagt.

Für Globetrotter

Dieses Jahr hat das Geld nicht gereicht? Die Angst vorm Fliegen war stärker als der Wunsch nach Weihnachten an sonnigen Stränden? Das Fernsehen bietet allen fernwehkranken Daheimgebliebenen ausreichend Gelegenheit, der deutschen Heimeligkeit zu entfliehen. Sehenswert sind sie alle, die Reiseberichte, Naturfilme und Fernsehexpeditionen. Dauerhaftes Abtauchen verspricht vor allem die siebenteilige Serie „Italien - Land der Verheißung" (ab 25.12., Bayerisches Fernsehen, 21 Uhr 30). Wer einen Reiseführer braucht, kann mit Joachim Fuchsberger die „Terra Australis" (25.12., ARD, 16 Uhr 20) erkunden. Oder mehr erfahren „Von Elchen, Wölfen und Menschen" in Schweden (24.12., Arte, 19 Uhr).

Für Zuhörer

Damit die Ohren an Weihnachten nicht zu kurz kommen: „Nikolais Geheimnis“ (Radio 88,8, 25.12., 8 Uhr 05). Das Kinderhörspiel ist trotz der frühen Sendezeit unbedingt empfehlenswert. Nach einer Erzählung von Anton Tschechow berichten Heidi Knetsch und Stefan Richwien vom zehnjährigen Kolja, dessen Mutter eine seltsame Geschichte über ihren Großonkel Nikolai erzählt. Der hat viele Jahre lang ein Geheimnis gehütet – ein Weihnachtsgeheimnis. Damit man trotzdem ausschlafen kann: Kassettenrekorder programmieren und aufnehmen!

Zusammengestellt von, Joachim Huber, Eva Köster und Antje Kraschinski.

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