Medien : Schöne Illusion

Arte-Doku über Waffen, die nicht töten sollen

Eckart Lottmann

Eigentlich eine gute Idee: die Entwicklung von nichttödlichen Waffen, um Polizei und Militär bessere Möglichkeiten zu geben, gegen renitente Menschen vorzugehen. Elektroschockwaffen zum Beispiel werfen einen Menschen zu Boden und lähmen ihn, später merkt er nichts mehr davon. So weit die Theorie. In den USA allerdings scheinen manche Polizisten die neuen Waffen als Einladung zu verstehen, mal öfters abzudrücken, und sie können sehr wohl verletzen oder auch töten. Wolfgang Bergmann hat eine ganze Reihe derartiger Fälle recherchiert.

Nicht alle gehen so tragisch aus wie der des Familienvaters Frederick Williams. Der litt an einem epileptischen Anfall, der gerufene Polizist missverstand das, Williams wurde von Beamten weggeschleift. Einer von ihnen gab Williams mit einem „Taser“ so viele Elektrostöße – jeder bedeutet die Abgabe von 50 000 Volt, fünf Sekunden lang – bis der sich nicht mehr rührte. Tot. Niemand von den Polizisten, die beteiligt waren, wurde bestraft.

Ähnliche Fälle, in denen Polizisten einfach falsch agieren, gibt es in diesem Film mehrere. Doch Bergmann lässt nicht nur Opfer reden, sondern auch diejenigen, die die schönen Szenarios entwerfen: die Hersteller dieser Waffen, die Spezialisten in Militär, Polizei und Politik. 35 000 Menschen werden in den USA jedes Jahr durch Schusswaffen getötet, referiert Rick Smith, Chef von „Taser International“, weitere 100 000 durch Schusswaffen erheblich verletzt.

Wolfgang Bergmann kommt ohne ein Wort des Kommentars aus: Dafür reden sich manche dieser „Experten“ um Kopf und Kragen. John B. Alexander zum Beispiel, er übt anfangs Taekwondo, eine asiatische Kampfsportart, die mehr an Gymnastik erinnert. Gemessene Bewegungen, ohne Waffen. Aber wenn er seinem russischen Kollegen Wladimir Pirumow zuhört, lernen wir einen anderen Alexander kennen. Pirumow erzählt, wie russische Spezialkräfte im Jahr 2002 eine Geiselnahme im Moskauer Dubrowka- Theater beendeten. Sie leiteten Gas in das Theater, in dem tschetschenische Geiselnehmer insgesamt 912 Geiseln gefangen hielten. Neben den Tschetschenen starben dadurch auch 129 der Geiseln. Alexander zu Pirumov: „Erzähl den Kommandeuren, dass sie richtig gehandelt haben.“ Eckart Lottmann

„No More Killing“, 23 Uhr, Arte

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