Medien : Schönheit der Rebellion

ZDF versteckt „Berliner Schule“ in der Nacht

Katrin Hillgruber

„Schönes Zelt“, bemerkt Nina, als sie nach Hause zurückkehrt. In Kassel herrscht längst Winter, doch Ninas Mann Frieder und Tochter Charlotte leben in einem Haus ohne Fenster. Durch die undurchsichtige Plastikfolie, mit der die Löcher in den Wänden abgedichtet sind, dringt heimeliges Licht nach außen. Der Montag, an dem Fenster geliefert werden sollten, ist verstrichen. Kommen sie noch? Als der im Grunde gutmütige Frieder anfangs den Flur des Hauses mit weißen Kacheln fliest, scheint es, als zementiere er die Zukunft der Kleinfamilie. Das mag eines der vielen Signale sein, die die Ärztin Nina unvermittelt ins Blaue aufbrechen lassen, sie zu einer vermeintlich unmotivierten Rebellin machen. Eine unbestimmte Sehnsucht nach Berlin, woher die Personen stammen, und die herbe Poesie von „Hessisch Sibirien“ halten sich in Ulrich Köhlers zweitem Spielfilm die Waage. Die Redaktion des Kleinen Fernsehspiels präsentiert „Montag kommen die Fenster“ unter dem Signet der „Berliner Schule“. Bereits mit seinem preisgekrönten Debütfilm „Bungalow“ über die phlegmatische Fahnenflucht eines Rekruten, der sich im leeren Elternhaus versteckt, hatte Köhler seine unverwechselbare Handschrift bewiesen. Der Regisseur und Kameramann Patrick Orth zeigt in langen, ruhigen Szenen in aller Intensität den entscheidenden Moment danach – den Moment nach dem Streit, wortlosem Aufbruch, missglücktem Sex. Köhler will nicht psychologisieren, sondern den Figuren ihr Geheimnis bewahren. Sein Film ist ein rätselhaftes Geschenk mit Langzeitwirkung. Katrin Hillgruber

„Montag kommen die Fenster“ ,

ZDF, 0 Uhr 20

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