Medien : Schöpfungskrimi auf Arte

Mit dem neuen Präsidenten Gottfried Langenstein bastelt der Kultursender an seinem Profil

Till Frommann

Eine Thrillerserie über Molekularbiologie? Auf Arte? Das klingt zunächst einmal ziemlich überraschend. Der Kultursender ist nicht unbedingt für Actionserien bekannt, eher schon für Qualitätsspielfilme, Themenabende und gut gemachte Dokumentationen. Und nun das: Die morgen auf Arte startende 26-teilige kanadische Serie „ReGenesis“ erinnert rein äußerlich mehr an die schnellen„CSI“-Serien der Privatsender als an „Geo-Reportagen“ und „Vulkane der Meerestiefe“. Schnelle Schnitte. Aufgeteilte Bilder à la „24“ mit parallel laufenden Handlungen, die gleichzeitig dargestellt werden. Mikroskopierte Pockenerreger in Großaufnahme – das wissenschaftliche Thema der Serie ist allerdings schon eher Arte-like: Zukunft, Chancen und Gefahren der Biotechnologie, die Angst vor Verbrechen an der Schöpfung.

Es ist sicher mehr als nur ein Zufall, das die neue Serie zusammenfällt mit dem Start von Gottfried Langenstein als Präsident des deutsch-französischen Kulturkanals, der schon immer mit marginalen Zuschauerzahlen zu kämpfen hatte. Bedeutet so eine Thrillerserie nicht eine Anpassung des Arte-Niveaus nach unten? Noch mehr Unterhaltsamkeit als Wert an sich? „Das Gegenteil ist der Fall“, sagt Langenstein. „Wir werden uns in der digitalen Vielkanalwelt nur behaupten, wenn wir unser Profil als Kultursender und als Sender mit besonderem Anspruch und analytischer Tiefe schärfen.“ Ein Qualitätsprogramm und ein mutiges Programm – das sei die Legitimation seines Senders.

Serien wie „ReGenesis“ werden, so Langenstein, bei Arte im neuen Programmschema erstmals eingesetzt und könnten neue Zielgruppen gewinnen. Die „Internetgeneration“ zeichne sich „durch ein gesteigertes Interesse an Wissensthemen aus“. Themenabende, einer der großen Arte-Pluspunkte, gibt es ja weiter, vor allem zur Zukunftsproblematik. Das Thema von „ReGenesis“, die Biotechnologie, sei Anlass gewesen, die Serie ins Programm zu nehmen: „In den nächsten Monaten wird sich Arte mehrfach mit dem Thema Klonen und Biotechnologie in Themenabenden und Dokumentationen beschäftigen.“ „ReGenesis“ sei dafür eine „geeignete Komplementärfläche, um Aufmerksamkeit für das Thema zu wecken“, sagt der neue Arte-Präsident.

Das mit der Aufmerksamkeit dürfte bei der Machart nicht weiter schwerfallen. In den ersten beiden „ReGenesis“-Folgen geht es um Biowaffenterrorismus. Der Molekularbiologe David Sandström muss verhindern, dass sich ein künstlich erzeugtes Virus weiter ausbreitet, und ein Gegenmittel entwickeln. Sandström ist Leiter des Instituts „Norbac“, der „North American Biotechnology Advisory Commission“, das in den USA, Kanada und Mexiko tätig ist. Das Institut ist zwar fiktiv, doch im Internet findet sich eine Website: www.norbac.ca sieht so aus, als würde es diese Forschungseinrichtung tatsächlich geben, höchst seriös mit einer virtuellen Führung durch das Institut sowie der Möglichkeit, Mitschnitte vermeintlich gehaltener Pressekonferenzen anschauen zu können.

Dass bei „ReGenesis“ auch Privates verhandelt wird, ist ein Unterschied zu Serien ähnlich professioneller und schneller Machart, wie zum Beispiel „CSI“. David Sandström bekommt Besuch von seiner Tochter Lilith, die eigentlich bei seiner geschiedenen Frau lebte, nun aber bei ihm einziehen will. Es geht um das Problem, mit dem Rauchen aufzuhören, oder auch um Flugangst. „Ich hasse Helikopter“, sagt Sandström, woraufhin der Pilot erwidert: „Ich hasse es, mit jemandem zu fliegen, der Helikopter hasst.“ Während eines Vater-Tochter-Gesprächs kommt David Sandström erneut auf sein Lieblingsthema zu sprechen. Er erläutert seiner Tochter die wunderbare Welt der Viren – und zwar so, dass auch der Zuschauer etwas versteht. Ein niveauvoller Crashkurs in Molekularbiologie also – und das nicht staubig und trocken wie Frontalunterricht in der Schule, sondern als spannende und packende Serie, garniert mit lehrreichen Wissenschaftseinsprengseln.

„ReGenesis“, 26 Folgen ab Montag, Arte, 20 Uhr 40

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