SCHRÖPF-TV : Der Zuschauer, eine Sendergeisel

Die privaten Fernsehkonzerne nehmen eine Gebühr für den Empfang ihrer Programme in High-Definition-Qualität. Das Bundeskartellamt vermutet illegale Absprachen der Sender. Wahr ist: RTL & Co wollen mit Pay-TV Kasse machen, wahr ist auch, dass Fernsehen in Deutschland teurer wird.

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Zu zweit ist man beim Zuschauer weniger allein, werden sich die RTL Group und die Pro Sieben Sat 1 Media AG gedacht haben. Also haben sie sich ein gemeinsames Pay-TV-Modell aus baldowert. Wer Programme der beiden Fernsehkonzerne in High-Definition-Qualität empfangen will, der bitte soll dafür bezahlen. Das Kartellamt vermutet, dass es illegale Absprachen bei der Einführung dieser Art von Bezahlfernsehen gegeben hat. Es hat Razzien gegeben, das Verfahren könnte für RTL und Pro Sieben Sat 1 mit einer Millionenstrafe enden.

Die Kartellwächter treibt der Verdacht, dass die beiden Sendergruppen ihre marktbeherrschende Stellung beim Privatfernsehen zulasten der Zuschauer ausnutzen. Genau da wollen RTL & Co ja hin, wenn das Medium erst einmal durchdigitalisiert ist: Die Programme werden verschlüsselt, der Nutzer braucht einen Decoder und eine kostenpflichtige Smartcard. Das Publikum, so es seine unbezähmbare Leidenschaft für Günther Jauch, Stefan Raab oder Johannes B. Kerner befriedigt sehen will, wird als Geisel genommen. Neben den Gebühren für das öffentlich-rechtliche droht eine zweite Gebühr für das private Fernsehen.

Mehr noch. Können die privaten Sender ihr Bezahlmodell durchsetzen, ist der letzte weiße Fleck in Pay-TV-Deutschland getilgt. Von ARD/ZDF über Sky bis zu RTL/Pro Sieben, überall rasseln die Verwertungsketten. Wie wäre es, wenn die GEZ für alle Anstalten den Abo-Einzug besorgt?

Geht es um das Geld fremder Menschen, finden RTL und Pro Sieben just die Argumente, die die öffentlich-rechtliche Konkurrenz seit Jahrzehnten herunterbetet. Nur zusätzliche Einnahmen würden die Vielfalt und die Qualität des Angebotes sichern. Der einzig ehrliche Schritt wird gescheut: Wenn Fernsehen über den Transfer in ein Pay-TV teurer wird, dann muss diese Konsequenz mit dabei sein – der Kunde bezahlt nur das, was er nutzt. Alles andere ist ein Zwangsabonnement. Natürlich möchten RTL und Pro Sieben genau das. Alle Zuschauer ohne Ausnahme sollen unmündig gehalten werden. Behandelt wie Menschen, die über lange Zeit vom Fernsehen abhängig gemacht wurden. Jetzt sind sie angefixt. Und die TV-Dealer stehen an der Ecke und bieten die Droge feil.

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