Schwacher Fernsehkrimi im ZDF : Die Pekaris sind nicht schuld

Die ZDF-Verfilmung des Elisabeth-Hermann-Krimis "Das Dorf der Mörder" ist vor allem eines – misslungen. Und dann auch noch die Duschvorhang-Szene!

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Auf Abstand. Die Tierparkangestellte Charlie Rubin (Anna Loos) beobachtet die Ermittlungen der Polizei aus sicherer Entfernung
Auf Abstand. Die Tierparkangestellte Charlie Rubin (Anna Loos) beobachtet die Ermittlungen der Polizei aus sicherer EntfernungFoto: ZDF/Terjung

Die lieben Pekaris! Grunzen hier und schnüffeln dort und werden dabei ganz genau beobachtet von den giggelnden Kindern. Einen Tick zu genau. Kinder sind bekanntlich gute Beobachter, es entgeht ihnen nicht, dass die lieben Pekaris etwas fressen, was sie eigentlich nicht fressen sollten. Ein Mensch ist im Berliner Tierpark zu Tode gekommen. Auf denkbar bestialische Weise, bei lebendigem Leib angeknabbert und verspeist von brasilianischen Nabelschweinen, stilgerecht zur Mittagszeit und vor den Augen einer Schulklasse.

So beginnt Elisabeth Hermanns Roman „Das Dorf der Mörder“, und so startet auch der von Niki Stein verfilmte ZDF-Montagskrimi, zur besten Sendezeit um 20 Uhr 15, wenn die lieben Schulkinder noch lange nicht daran denken, ins Bett zu gehen. Es wird viel und nicht immer klassisch gestorben in Elisabeth Hermanns Romanen. Das ZDF hat einige von ihnen verfilmt und dabei wenig falsch gemacht. „Die letzte Instanz“ etwa lockte im vergangenen Jahr fast acht Millionen Zuschauer vor den Bildschirm, so viele wie noch nie, seitdem das ZDF am Montagabend die Quote messen lässt.

Die Spur führt ins frühere Jugoslawien

Die Laune des Dienstplanes will es, dass die Streifenpolizistin Sanela Beara, gespielt von Alina Levshin, zu den knabbernden Pekaris gerufen wird. Nicht zur eigentlichen Ermittlung (wovon sie gar nicht so heimlich träumt), sondern zur Absicherung des Tatorts vor neugierigen Spaziergängern, weinenden Kindern und besorgten Lehrerinnen. Sanela Beara hat als Kind im jugoslawischen Bürgerkrieg miterleben müssen, wie ihre kroatische Mutter von serbischen Milizen ermordet wurde. Jahre nach der Flucht nach Berlin trägt sie selbst eine Waffe und kämpft gegen das Ungerechte in der Welt und im Tierpark. Der arrogante Kommissar (Jürgen Tarrach) schickt sie aber nur zum Kaffeeholen. Das bewahrt Sanela allerdings nicht vor einem perfiden Anschlag, ausgeführt mit dem Spaten der Tierpflegerin Charly (Anna Loos), die gleich noch mit einem Geständnis für den Mord mittels der Pekaris rausrückt.

Im Buch ist die Tierpflegerin eine ziemlich maulfaule Person, aber das verträgt sich schlecht mit dem Medium Fernsehen und der Besetzung Anna Loos (die dann doch einen schnellen und keinesfalls klassischen Tod stirbt). Als weiterer Hauptdarsteller kommt später noch Benjamin Sadler ins Spiel. Er gibt einen vom Gericht bestellten Gutachter, der eigentlich die Tierpflegerin auf ihre Schuldfähigkeit untersuchen soll, dabei aber so ziemlich alles falsch macht und lieber mit Charlys jüngerer und hübscher Schwester ins Bett geht. Der Kommissar trifft die Streifenpolizistin zufällig auf der Rennbahn, warnt sie vor karriereschädlichem Zocken und ärgert sich doch mehr darüber, dass die Zockerin viel Geld mit dem richtigen Pferd gewinnt. „Alles auf Nachtschatten!“ Danach ermitteln die beiden plus Gutachter plus junge hübsche Schwester weiter in der Mordsache, mal zusammen und mal getrennt und am Ende erfolgreich. Die Spur führt nach Brandenburg, das verwegene Land mit dem altbekannten und bewährten Dreiklang von idyllischen Alleen, verödeten Höfen und backsteinroten Kirchen.

Der Buchkrimi ist komplex, der Fernsehkrimi konventionell

Das klingt jetzt alles ein wenig konfus, aber Elisabeth Hermann gelingt es mit ihrer behutsamen Erzählkunst, die einzelnen Stränge logisch zu entwickeln und am Ende durchaus stimmig zusammenzubringen. Leider nur in der literarischen Vorlage. Es spricht für die Ehrlichkeit des ZDF, wenn im Vorspann lediglich von „Motiven des gleichnamigen Romans“ die Rede ist. 89 Minuten sind ein bisschen knapp für das Auserzählen einer komplexen Geschichte. Dazu wollen die unvermeidlichen Liebesszenen in Szene gesetzt werden und, heimlicher Traum aller Regisseure, eine Neuauflage von Hitchcocks legendärer „Psycho“-Duschvorhangszene. Manchmal wird es auch unfreiwillig komisch, wenn etwa die Streifenpolizisten Sanela Beara der Tierpflegerin, die ihr vor ein paar Tagen noch den Schädel spalten wollte, voller Pathos zuruft: „Charly, halte durch!“

Das schreckliche Geheimnis, das da im Dorf der Mörder hinter verschlossenen Türen und unter losen Stallplanken gehütet wird, erfährt eher beiläufig seine Aufklärung. Routinearbeit, auf der Fahrt zurück nach Berlin kommt es zum finalen Dialog zwischen Kommissar und Streifenpolizistin: „Warum wussten Sie eigentlich, dass Nachtschatten das Rennen macht?“ – „Angeborener Pferdeverstand. Wir vom Balkan sind alle Zocker!“

Ihr lieben Pekaris, hättet ihr nicht das Drehbuch fressen können?

„Das Dorf der Mörder.“ ZDF, Montag, 20 Uhr 15.

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