Medien : Schwarz und stark

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Alles Unglück der Menschen rührt daher, dass sie nicht ruhig auf ihren Zimmern bleiben können. Man weiß das schon lange. Aber nur ganz selten wird ein Film über diese Keimzelle aller Kriminalität gemacht. Und über das viel zu wenig untersuchte Feld der Altersmassenmörder.

Gert Steinheimer hat es gewagt. Da ist also der Rentner Thomas Wünsche. Ein Vorbild. Thomas Wünsche will nichts, als ruhig auf seinem Zimmer sein, die Gardinen geschlossen, die Brille aufgesetzt – und seltene Blumen pressen. Alle Schönheit ist vergänglich. Wünsche gibt seinen Blumen Ewigkeit und bewahrt sie zugleich vor dem Leben. Und genau wie eines von Wünsches Stillleben ist Steinheimers Film: eine fremde, dunkle Blüte geht heute auf im Fernsehalltag, sehr giftig wie die allerschönsten Blumen und sagenhaft tödlich. Denn bei Blumenfreunden ist es genauso wie bei Regisseuren: Auf die Liebe zum Detail kommt es an. Und auf äußerste Präzision – wie unter dem Mikroskop spielen Gerd Baltus und Hilmar Thate.

Auch Thomas Wünsche (Gerd Baltus) war einmal leichtsinnig genug, sein Zimmer zu verlassen – man erkennt es daran, dass er eine Frau hat. Und eines Tages sind alle Blütenstillleben von Wünsches Wänden verschwunden. Seine Ehefrau, eine bekennende Hygienikerin, hat Motten darunter entdeckt. Und wir ahnen es: Sie wird ihren letzten Hausputz nicht lange überleben. Aber niemand schöpft Verdacht. Wenn nebenan nicht ein eben pensionierter Kommissar (Hilmar Thate) wohnte. Aber wer glaubt einem gerade pensionierten Kommissar, dass bei ihm nebenan ein Massenmörder wohnt? „Zweikampf“, um 20 Uhr 15 in der ARD zu sehen, ist ein nachtschwarzes Kammerspiel für zwei alte Männer, die zeigen, dass wahrhafte Perfektion eine Altersfrage ist. Wir lernen: Menschen unter 60 sind fast immer Dilettanten. Kerstin Decker

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