Medien : Schwarz vor Augen

Desiree Bethge

Heute mache ich mir nix zu essen, heute mach’ ich mir Olympia. Und zwar die ganze Dröhnung – ab morgens 6 Uhr 45. Da gibt’s auf Eurosport Rückblick, Ausblick und ein Olympia-Frühstück. Da wird mir erklärt, was kommen wird und was schon gekommen ist. Die Rückblick-Beiträge sind geschnitten, fangen mitten im Satz an, hören mitten im Satz auf, dann kommt einfach schwarz. Das wäre gar nicht schlecht bei der politischen Berichterstattung. Immer wenn etwas zum -zigsten Mal wiederholt wird oder wenn gar nichts rumkommt – dann wird geschnitten, mitten im Satz. Und schwarz. Und Schluss.

Neun Uhr – jetzt geht’s richtig los, mit Triathlon der Damen. Die sind um sechs Uhr aufgestanden mit Nudeln, ich mit Kaffee, aber ich muss ja auch nicht schwimmen. Jetzt wäre die Gelegenheit für Klatsch und Tratsch, aber das macht er nicht, der Reporter. Er weiß nur, dass er nichts weiß, wenn die schwimmen, es könnte die sein oder aber auch nicht ... schwer zu erkennen, jaja, das ist wie im wirklichen Leben, es ist eben alles nicht so einfach. Woher wissen die eigentlich, wo sie hinschwimmen müssen? Das soll der mal erklären. Dann kommen die Ersten raus, suchen ihr Rad, Helme auf und los. Das Radeln zieht sich, ich zappe weiter.

Es wird gerungen, leichte Herren – Schweden gegen Aserbeidschan. Ja, was machen die denn da? Da muss sich der eine über einen auf dem Boden aufgemalten Kreis knien, der andere direkt hinter ihn, sieht aus wie ein merkwürdiges Paarungsritual. Bei der nächsten Runde fängt es umgekehrt an, aha. Ringen – da muss man was von verstehen! Zurück zum Triathlon, die laufen. Und plötzlich und unerwartet macht eine Österreicherin Gold. Das ist wie Lotto. Fast jedenfalls. Das gefällt mir.

Im ZDF-Dokukanal ringen Russen mit Griechen. Oder rüber zu Baseball? Lieber nicht! Ich bin erschöpft. Als ich aufwache, ist es 16 Uhr, Abgabetermin. Und wissen Sie, was ich jetzt mache? Ich werde entspannt fernsehen. Eine einzige Sportart. Zu meinem Vergnügen. Reiten. Dressur. Mein Olympia.

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