Schwarzer Krimi : Diesseits in Afrika

Im ARD-Film "Kennedys Hirn" nach Mankells Roman erlebt Iris Berben einen verstörenden Kontinent.

von
Berben
Weißer Mann - böser Mann? Christian Holloway (Heino Ferch) leitet eine Aids-Klinik in Mosambik. Er will verhindern, dass Louise...Foto: ARD Degeto

Dieser Film ist kein neues „Jenseits von Afrika“. Hier geht es nicht um „Rote Sonne, schwarzes Land“. Das Afrika, das Henning Mankell in seinem Roman „Kennedys Hirn“ beschreibt, ist ein Kontinent, den die meisten Nicht-Afrikaner in ihrem tiefsten Innern noch immer geringschätzen, ja verachten, wie im gleichnamigen Zweiteiler gesagt wird. An diesem Sonnabend strahlt die ARD die beiden Teile hintereinander aus.

Der Film hat noch nicht einmal richtig begonnen, da wird bereits überdeutlich, welchen Wert das Leben auf dem schwarzen Kontinent hat. Henrik, ein junger schwedischer Journalist, der immer die nächste Story wittert (wie eine neue Enthüllung über das entwendete Gehirn von John F. Kennedy), sitzt mit einem Afrikaner in einer Strandbar. Von einem großen Skandal ist die Rede, als ein angetrunkener Weißer hinzutritt und Henrik seinen Hut abschwatzt. Als er auf die Straße tritt, wird der Mann mit dem Hut überfahren. Doch Henrik weiß genau, dass er selbst hätte das Ziel des Anschlags sein sollen. Seine Flucht bleibt vergebens, denn kaum in Schweden zurück, findet ihn seine Mutter Louise Cantor (Iris Berben) tot in seiner Wohnung.

Dass er sich mit Schlaftabletten getötet haben soll, will sie nicht glauben. Auch nicht, als sie erfährt, dass er HIV-positiv war. Zusammen mit ihrem Ehemann Aron (Christophe Malavoy), der sie und Henrik vor 25 Jahren aus dem Nichts heraus verlassen hatte, macht sie sich auf die Suche nach der Wahrheit. Was sie hat, ist wenig: Ein Foto einer dunkelhäutigen Schönen vor einer Strandbar, den Namen einer Frau. Die Spuren führen nach Kapstadt. Doch dort kommt Aron ums Leben. Offiziell ist von Raubmord die Rede, doch Louise glaubt nicht an die Version der Polizei, folgt den Spuren weiter nach Mosambik.

Hennig Mankell ist selbst ein Reisender zwischen den Welten. Er lebt „mit einem Fuß im Sand, mit dem anderen im Schnee“. Sein Hauptwohnsitz ist inzwischen Maputa in Mosambik, wo er mehr als die Hälfte des Jahres verbringt. Die übrige Zeit lebt er in seiner Zweitheimat Schweden. Mankell waren besonders die Aufnahmen in Mosambik wichtig, wo der zweite Teil des Films spielt, in dem Henriks einheimische Freundin Lucinda (Mata Gabin), Heino Ferch als Dr. Christian Holloway, Leiter einer Aids-Klinik, und der hilfsbereite Botschafter Lars Hakansson (Michael Nyquist) die zentralen Rollen spielen. Mosambik, das ist ein Land zwischen Post-Kolonialismus und den Überresten des Sozialismus. Ein ausgebeutetes Land, wie Mankell schreibt, in dem profitgierige Pharmakonzerne über Leichen gehen.

Vor allem aber zeigt der Film einen Kontinent, der für Europäer nur schwer zu verstehen ist. Dazu gehört die Hilflosigkeit, wenn sie zum Beispiel Zeuge von Selbstjustiz werden, wie in einer äußerst drastischen Szene: Ein junger Mann wird von anderen jungen Männern gejagt, die seine Arme mit einem Autoreifen fesseln, ihn mit Benzin übergießen und anzünden. Grausame Sekunden bleibt die Kamera auf dem schreienden Mann, während zwei Schwarze Louise Cantor und den Botschafter davon abhalten, ihm zu Hilfe zu kommen. „Er war ein Dieb, und selbst ein kleiner Diebstahl kann hier über eine Existenz entscheiden“, versucht der Diplomat das Unfassbare in Worte zu fassen.

In Szene gesetzt wurden die Bilder von Regisseur Urs Egger und Kameramann Martin Kakula. Beide hatten bereits Mankells Roman „Die Rückkehr des Tanzlehrers“ verfilmt. Die Drehbuchfassung von „Kennedy Hirn“ stammt von Nils-Morten Osburg. Im ersten Teil beschreibt „Kennedys Hirn“ das Drama einer Mutter, die die Selbsttötung ihres Sohnes nicht verwinden kann. Das allein ist Anlass genug für tiefe Betroffenheit, doch Iris Berben überzieht in keinem Moment. Als Louise Cantor gibt sie nicht auf. „Das, was Sie hier sehen, vordergründig sehen, ist nicht immer das, was es scheint“, sagt sie zu Anfang des Films, und das gilt für die gesamte Produktion, die sich dann im zweiten Teil zu einem packenden Thriller wandelt. Der aufwendig inszenierte ARD-Zweiteiler erreicht damit das, was andernorts als großer TV-Event verkauft wird. Immerhin waren für „Kennedys Hirn“ mehr als tausend Mitarbeiter auf zwei Kontinenten und an rund 300 Sets beschäftigt.

Mankell-Fans kommen zu Ostern auf ihre Kosten. Von Sonntag an zeigt das ARD zudem 13 neue Krimis mit Kommissar Kurt Wallander, die Mankell speziell fürs Fernsehens geschrieben hat – mit hochaktuellen Themen. Im Krimi „Rache“ am Sonntag spielt eine umstrittene Mohammed-Ausstellung eine wichtige Rolle.

„Kennedys Hirn“, ARD-Zweiteiler, 20 Uhr 15; „Mankells Wallander – Rache“, Ostersonntag, ARD, 21 Uhr 45; „Mankells Wallander – Schuld“, Ostermontag, ARD, 21 Uhr 45

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben