Schwarzer Krimi : Schweden-Happen

Der 29. Fall ist einer der besten der vergangenen Jahre geworden: Bella Block ermittelt erstmals in Stockholm und wird dabei mit ihren eigenen Ängsten konfrontiert.

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Panik. Gunnar Andersson (Rolf Lassgård) und Bella Block (Hannelore Hoger).
Panik. Gunnar Andersson (Rolf Lassgård) und Bella Block (Hannelore Hoger).Foto:ZDF

„Wir haben alle unser schwarzes Zimmer, aber wir wollen da nicht rein, weil wir wissen, dass es furchtbar da drin ist.“ In jedem Haus, sagt Gunnar Andersson (Rolf Lassgård, bekannt als Kommissar „Wallander“) zu Bella Block (Hannelore Hoger), da gebe es dieses schwarze Zimmer – im übertragenen Sinn auch jener Raum des Unterbewusstseins, den man lieber meidet. Dieses schwarze Zimmer ist es, das Gunnar Andersson quält, heute noch. Es hat mit seinen Eltern zu tun, mit nie gezeigter Liebe. Mit zwölf hat Andersson seine Mutter zum letzten Mal gesehen. Zu ihr fahren Andersson und Bella schließlich raus aufs Land, zum Haus der Familie, wo es das schwarze Zimmer noch gibt. Andersson geht an seiner alten Mutter wortlos vorbei, direkt in das Zimmer. Es folgen geradezu alptraumhaft-abgründige, atemraubende Geschehnisse.

Bella Block hat es in „Das schwarze Zimmer“, dem jüngsten Fall der bereits seit 1994 bestehenden gleichnamigen ZDF-Reihe, nach Stockholm verschlagen. Oberstaatsanwalt Mehlhorn (Hansjürgen Hürrig) hat Block um den Gefallen gebeten, einem alten Fall nachzuspüren. Einem Fall, bei dem Mehlhorn fest davon ausging, dass Gunnar Andersson seine Frau umgebracht habe. Selbst seine eigenen Kinder hatten gegen Andersson ausgesagt. Nur: Es wurde nie eine Leiche gefunden, Andersson freigesprochen. Nun, sieben Jahre später, wird eine Leiche in den Gewässern Hamburgs aus einem Kanal geborgen. Es ist die Leiche einer Frau, Ulrica Andersson. Die Anderssons lebten damals in der Hansestadt. Läuft in Schweden am Ende doch ein Schuldiger frei herum?

Gunnar Andersson und Bella Block lernen sich kennen, just als Bella wieder eine ihrer Panikattacken hat, direkt vor Anderssons Immobilienbüro in Stockholm. Sie leidet unter jener Messerattacke, die ihr eine Frau zugefügt hatte, in Bella Blocks vorherigem Fall. Immer wieder passiert es, dass sie sich irgendwo befindet, urplötzlich Schweißausbrüche und Atemnot bekommt und eine Gestalt zu sehen glaubt, die auf sie zugeht und ihr ein Messer in den Rücken rammt. Nur ungern spricht sie darüber. Ihr ehemaliger Assistent Jan Martensen (Devid Striesow) weiß gar nichts davon und erfährt es erst später. Da Andersson selbst weiß, was Panikattacken sind, erkennt er Bella Blocks Symptome. So wie sich im Laufe der Zeit ohnehin eine eigenartige Vertrautheit zwischen diesen beiden verletzten Menschen einstellt.

Für den 29. „Bella-Block“-Fall hat Regisseur Rainer Kaufmann das Drehbuch von Susanne Schneider verfilmt, für die Bilder zeichnet Kameramann Klaus Eichhammer verantwortlich. Es ist einer der besten „Bella-Block“-Filme der vergangenen Jahre geworden. Da wird ein subtiles Psychogramm eines verzweifelten Menschen entworfen, des Mannes Gunnar Andersson, welches mit den Schwächen und Verletzungen der ehemaligen Hamburger Kommissarin Block korrespondiert. Es ist, als spiegelten sich die beiden ineinander. Die mitunter spielerischen Blicke, die sich Bella Block und Andersson zuwerfen – darin liegt die Frage nach Anderssons Schuld oder Unschuld, nach Vertrauen oder Misstrauen.

Es muss dabei eigentlich schon gar nicht mehr erwähnt werden, wie präzise auf den Punkt genau das nuancierte, facettenreiche Spiel von Hannelore Hoger ist, wie sie die Zerrissenheit dieser Figur austariert, wie sie in ihrer liebenswert herben Schnoddrigkeit versucht, ihre Schwächen wegzuwischen, obgleich sie doch so gut darum weiß. Durch ihre Panikattacken wird die Figur der Bella Block noch menschlicher.

„Bella Block - Das schwarze Zimmer“, ZDF, 20 Uhr 15

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