Medien : Schwarzwaldklinik

NAME

Einmal hat das Fernsehen etwas hervorgebracht, das es über die eigenen Grenzen hinaushob: Es hat einen Ort erfunden, von dem heilende, heilige Kraft ausging. Der Ort heißt Glotterbad und liegt im Schwarzwald. Dort gibt es eine reale Klinik, und die wurde zur Kulisse für die Arztserie „Die Schwarzwaldklinik“. Niemand hätte, als der Autor Herbert Lichtenfeld sie erfand, an ein Erweckungserlebnis gedacht, an den Hort einer Erscheinung. Erschienen ist eine Erlöserfigur, Professor Brinkmann, den Klausjürgen Wussow so überzeugend spielte, dass er gewissermaßen zum Medizinmann wurde.

„Die Schwarzwaldklinik“ wurde mit 60 Prozent Einschaltquote zur erfolgreichsten Serie des ZDF. 550 Millionen Menschen haben sie in über 70 Ländern weltweit empfangen, und ein nicht ganz unerheblicher Bruchteil davon ist ins echt existierende Glotterbad gereist, ins Lourdes des Medienzeitalters, um sich das wahrhafte Heil abzuholen.

Und Glotterbad war glücklich. Denn Professor Brinkmann hat mit dem alles überrollenden Fan-Verkehr in Form von ein paar Dutzend Bussen pro Tag nicht nur die verheerenden Folgen des Waldsterbens besiegt, das Mitte der 80er Jahre den Schwarzwald in eine neue Welle der Verarmung zu treiben drohte, weil die ausbleibenden Kurgäste sich vor den kahlen Ästen gruselten.

Aber das Glück machte im Glottertal nicht Halt. Es erfasste uns alle. Weil „Die Schwarzwaldklinik“ uns etwas gegeben hat, das bisher nur die Religion vermochte: Einen Wallfahrtsort. Glotterbad ist in 71 Folgen unsterblich geworden. Doch selbst wenn die Pilgerströme demnächst versiegen, wird dem Ort dies niemand mehr nehmen können: Er schlug auf raffinierteste Weise zurück. Er hat das Fernsehen, das ihn erschuf, mit diesseitiger Entschlossenheit in seine virtuellen Schranken verwiesen. Uta-Maria Heim

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben