Schweini and a Half Men : Hoppla! Live-Fußball-Bilder im Werbeblock

Bei der Partie Arsenal gegen Bayern gab es eine Fernseh-Weltpremiere: Der Pay-TV-Sender Sky zeigte Ausschnitte in Werbepausen von vier frei empfangbaren Sendern und weckte damit Begehrlichkeiten.  

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Die Spieler von Bayern München freuen sich über den grandiosen 3.1-Erfolg bei Arsenal London.
Die Spieler von Bayern München freuen sich über den grandiosen 3.1-Erfolg bei Arsenal London.Foto: dpa

Dienstagabend, kurz vor 21 Uhr auf Pro7. Werbepause bei der Comedy-Serie „Two and a Half Men“. Eine Pinkelpause? Besser nicht. Gegen Ende des Werbeblocks erklingt die für Fußballfans bekannte, aber auf diesem Free-TV-Kanal total ungewohnte Fanfare: Fußball-Champions-League! Exklusivware! Für 40 Sekunden geht für Millionen Zuschauer die Pay-TV-Wall herunter. Ihnen wird vom Sky-Kommentator Ronald Evers das Führungstor der Bayern bei Arsenal London nachgereicht. Eh’ man aber so richtig Geschmack am tollen Spiel der Münchner gefunden hat, geht die Klappe wieder runter. „Tschüss, wir sehen uns bald wieder.“ Wenn Sie sich ein Pay-TV-Abo kaufen. So ein Spiel werde live und in voller Länge eben nur vom Pay-TV-Sender Sky übertragen.

Live-Fußball-Happen als Appetitmacher, als eine Art mediale Peepshow, wo man Geld nachwerfen muss - das Ganze wiederholte sich zwischen viertel vor neun und halb elf insgesamt fünf Mal, auf Pro7, Kabel1, Sat1 und Sport1. Wo das ganze Verfahren besonders skurril wirkte, weil sich der Sport-Spartensender bei solchen Exklusiv-Spielen mit seinem „Fantalk“ ohnehin des dramatischen Elements der Teichoskopie, des Botenberichts, bedient. Bedienen muss. Da sitzen die Experten Thomas Helmer, Didi Hamann und Peter Neururer in einer Essener Kneipe, im Hintergrund laufen auf Fernsehern Bilder von alten Bundesligaspielen. Sie plaudern über dies und das und berichten, Augen nach oben an der Wand, was sie gerade Tolles auf dem Sky-Bildschirm sehen. Tore, Verletzte, viel schönes Tiki-Taka in London. Was der gemeine Free-TV-Zuschauer eben nicht sehen kann.

Nicht schlecht, was sich Sky da PR-mäßig hat einfallen lassen. „Die Aktion hätte nicht besser laufen können, wir sind von der Aufmerksamkeit und der positiven Resonanz begeistert und konnten mit dieser innovativen Werbung die Exklusivität von Sky deutlich machen", sagt Ivo Hoevel, Senior Vice President Marketing bei Sky Deutschland. Fans, die kein Pay-TV-Abo haben und in keine Fußball-Kneipe gehen wollen, hatten die Chance, zumindest ein paar kurze Ausschnitte der Partie im Free-TV zu sehen (wenn sie sich ohnehin nicht der immer noch laufenden illegalen Streaming-Dienste von ausländischen Anbietern im Internet bedienen). Laut Sky war diese Form der Werbung eine "Weltpremiere". Insgesamt zeigt Sky damit also 240 Sekunden (vier Minuten) der Partie zwischen Arsenal und Bayern live im frei empfangbaren Fernsehen. Der Deutsche ist halt knauserig, er muss geködert werden, mit der besten Ware.

Ein zusammengeflicktes Spiel, von Werbeblock zu Werbeblock. Auch wenn der zweite Live-Spot bei Pro7 kurz vor 22 Uhr eine der spannendsten Szenen des Spiels zeigte - in genau diesen 40 Sekunden erzielte Lukas Podolski für Arsenal den Anschlusstreffer zum zwischenzeitlichen 1:2 - für den echten, noch nicht zahlenden Fan ist das Ganze ein unbefriedigendes Übertragungsmodell. Dann doch lieber in die Sky-Kneipe. Man darf gespannt sein, welche Werbewege Sky noch einschlagen wird, um an neue Abonnenten zu kommen. Zuletzt sind die Zahlen auf 3,2 Millionen Stammseher gestiegen. Das Champions-League-Achtelfinale bescherte dem Murdoch-Sender am Dienstag einen neuen Saison-Bestwert. Mit 1,17 Millionen Zuschauern war der Marktanteil von über fünf Prozent in der Zielgruppe beachtlich, gar nicht mehr so weit entfernt von Sat1 im Free-TV. Dessen Primetime-Film „Im Alleingang - Elemente des Zweifels“ mit Hannes Jaenicke hatte gerade mal 2,3 Millionen Zuschauer (7,5 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe) eingeschaltet. Immerhin gab’s hier in der Werbepause Fußball.

 

 

 

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