Medien : Schweiß und Perlen

RBB: Sorge ums Geld, Erfolg beim Programm

Joachim Huber

Stolz und Sorgen prägen den RBB im vierten Jahr seiner Fusion aus SFB und ORB. Stolz auf das Zusammenwachsen zu einer ARD-Anstalt für Berlin und Brandenburg, Sorgen über die künftige finanzielle Ausstattung. Intendantin Dagmar Reim nutzte das Ende der ersten Amtszeit von Rundfunk- und Verwaltungsrat für eine Bilanz. „Das Zusammengehen zweier Sender war überlebensnotwendig“ für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in der Region, die Rahmenbedingungen hätten einen „alternativlosen Abbau- und Sparkurs“ erzwungen. Bis Ende 2008 will der Sender mehr als 300 Stellen auf knapp 1450 Arbeitsplätze abgebaut haben – ohne betriebsbedingte Kündigungen. Zugleich soll bis Mitte 2007 das Gehaltsniveau der ehemaligen ORB-Mitarbeiter auf das des früheren SFB-Personals angeglichen werden. Trotzdem, der Sparkurs wird fortgesetzt, die nach RBB-Lesart „ungenügende Anpassung“ der Rundfunkgebühren für den Zeitraum 2005 bis 2009 plus überproportionale Gebührenausfälle durch Hartz IV würden dem Sender ein strukturelles Defizit von 27,8 Millionen Euro einbringen. Für 2007 rechnet der RBB noch einmal mit knapp sieben Millionen Euro Überschuss. Um die Programmleistung nicht zu gefährden, will die Geschäftsleitung in Verhandlungen mit der ARD ein Absenken der RBB-Leistungen für den Senderverbund erreichen. So muss der RBB ab 2007 die finanzschwächeren Sender im Saarland und in Bremen mit jährlich 1,4 Millionen Euro unterstützen - das will er aber nicht.

Ob die ARD sich darauf einlässt, ist zweifelhaft. Die finanzstarken Anstalten sind – wie die Bundespolitik – das Lamento aus Berlin gewohnt. Letztmalig in diesem Jahr erhält der 3,2 Millionen Euro aus dem ARD-Finanzausgleich; niemals wäre das RBB-Dritte in der Lage, ein 24-Stunden-Fernsehen ohne den ARDweiten Programmaustausch zu stemmen. Brutal formuliert: Der RBB braucht die ARD mehr als die ARD den RBB.

Das RBB-Fernsehen ist mit durchschnittlichen 6,2 Prozent Marktanteil im Sendegebiet nicht das Schlusslicht unter den ARD-Dritten (das ist das HR-Fernsehen mit 5,2 Prozent). Die Regionalschiene zwischen 18 und 20 Uhr mit „Abendschau“ und „Brandenburg gehört zur Spitzengruppe. Der Rest des RBB-Angebots ist laut der Intendantin „ein Fernsehlabor“. Es darf, es muss probiert werden. Immerhin, Reim ist überzeugt, dass Moderator „Jörg Thadeusz in den nächsten zwei Jahren einen Grimme-Preis bekommen wird“. Der Arbeitsplatz ist sicher.

Der Hörfunk leistet sich sieben Wellen. Angeführt von Antenne Brandenburg liegen die Angebote gut bis sehr gut im Markt. Ob Radio Berlin 88,8 – wie gewünscht – jemals zu den drei meistgehörten Wellen gehören wird? Das Kulturradio soll Reputation und Akzeptanz weiter steigern. Viel zu tun.

Wie sehr sich der RBB in den Herzen und Hirnen der Berliner und der Märker eingenistet hat, zeigt die Tatsache, dass die Verwechslungsgefahr mit dem anderen „RBB“ spürbar gegen Null geht. Die „Rinderproduktion Berlin-Brandenburg“ kümmert sich um „Zucht, Besamung, Vermarktung“.

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