Medien : Schwindler, Schwule und gute Schauspieler

Thilo Wydra

Mit ihm steht und fällt dieser Film: Ulrich Noethen ist in Hermine Huntgeburths Film „Der Boxer und die Friseuse“ als schwuler Heiratsschwindler unterwegs, dessen letzter Coup ihn gerade wieder schnurstracks hinter Gitter bringt. Fränki ist eigentlich Friseur, und hin und wieder erschwindelt er sich die Gunst älterer Damen. Für den Zaster vergisst Fränki dann für Momente seine homosexuelle Orientierung. Im Knast lernt er den einfältigen Mirco kennen. Sie werden ein Paar. Der feinsinnige Intellektuelle und der tumbe Tor. Zwei Welten eben.

Darauf stützt sich auch das Drehbuch von Autor Eckhard Theophil („Männerpension“). Dass die beiden Ungleichen nicht miteinander und nicht ohne einander können, das zieht sich durch die weitere Geschichte. So gesteht Mirco Fränki, dass er halt nur „knastschwul“ sei. Mirco baggert am neuen Arbeitsplatz, der Autowaschanlage, die freche Jenny an, und verfolgt weiter sein Ziel, Box-Profi zu werden. Und Fränki managt ihn selbstlos. Das ist wahre Liebe.

Hermine Huntgeburth, die derzeit die Verfilmung des Bestsellers „Die weiße Massai“ in Kenia vorbereitet, scheint, zumindest zeitweise, einen Hang zu Stoffen zu haben, die im halbseidenen Milieu spielen und schwule Männer als Protagonisten haben. Schon einmal erzählte sie so eine Liebesgeschichte, in „Das Trio“ (1998) mit Götz George und Christian Redl.

Natürlich bergen solche Filme auch die Gefahr, dass die Sache zu schwül- schwulstig gerät, dass die Nähe zum Klischee groß ist. Dass Ulrich Noethens tragischer Fränzi, wie er zwischen Friseursalon, Boxring und Gassigehen hin und her eilt, niemals ins Klamaukige abdriftet, das hat die Regisseurin vor allem diesem präzisen Schauspieler zu verdanken, der die Sache auch über manch schwache Dialogstelle hinweg trägt.

„Der Boxer und die Friseuse", Arte,

20 Uhr 45

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