Sci-Fi-Spektakel : Beam noch einmal, Scotty!

„Raumschiff Enterprise“: Pro 7 hat beinahe die gesamte Sonntagsstrecke freigeräumt und holt die „Star Trek“-Filme ins Fernsehen zurück.

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Der Streber und der Raufbold. An Bord der „Enterprise“ hat mit Zachary Quinto als Spock und Chris Pine als James T. Kirk eine neue Generation das Ruder übernommen. Foto: Pro7
Der Streber und der Raufbold. An Bord der „Enterprise“ hat mit Zachary Quinto als Spock und Chris Pine als James T. Kirk eine neue...

„Lebe lang und in Frieden!“ Generationen von Fernsehzuschauern kennen diesen Gruß aus der Weltraum-Saga „Raumschiff Enterprise“, ausgesprochen vom Vulkanier Spock, der dazu die Finger der rechten Hand zu einem V spreizt. Für Leonard Nimoy wurde der schlaue Außerirdische mit den spitzen Ohren, der die Eigenheiten der Menschen so „faszinierend“ findet, zur Rolle seines Lebens. Doch das ironische Hochziehen der Augenbrauen, ein weiteres Markenzeichen dieser Figur, gelingt Nimoy nicht mehr. Der Mund bewegt sich beim Sprechen, die übrige Mimik wirkt versteinert. Allerdings hat Nimoy im elften Enterprise-Film „Star Trek“ von 2009, den Pro7 am Sonntag als Free-TV-Premiere zeigt, nur einen Gastauftritt. Seine Rolle hat er an Zachary Quinto übergeben, so wie auch die übrige Besatzung um James T. Kirk, Dr. „Pille“ McCoy, Ingenieur Scotty (Beam me up) und Pavel Chekov von einer neuen Schauspielergeneration geprägt wird.

Mit Ausnahme des ganz frühen Morgens und des Vorabends hat Pro7 den Sonntag für die Star-Trek-Fans frei geräumt. Von 8 Uhr 50 bis weit nach Mitternacht und dann nochmals im Nachtprogramm laufen sechs der insgesamt elf Kinofilme, darunter der erste Enterprise-Film von 1979, aber auch „Star Trek VII – Treffen der Generationen“ von 1994, in dem die beiden „Enterprise“-Kapitäne Jean-Luc Picard und James T. Kirk aufeinandertreffen. Im Anschluss an den jüngsten Film der Reihe ist „Star Trek: Nemesis“ zu sehen. Mit insgesamt elf Kinofilmen ist diese Reihe ein echtes Phänomen. Interessanterweise war die Originalserie mit drei TV-Staffeln von 1966 bis 1969 die kürzeste, auch wenn sie den „Enterprise“-Kult mit den am Ende über 700 Folgen begründete.

Der letzte Versuch, die Science-Fiction-Reihe wieder als TV-Serie zu etablieren, wurde 2005 nach vier Staffeln eingestellt. Zeitlich war „Star Trek: Enterprise“ vor der Ur-Serie angesiedelt, doch die Erwartungen an den Neuanfang erfüllten sich nicht. Im Kino hatte Regisseur Christopher Nolan mit „Batman begins“ gezeigt, wie eine in die Jahre gekommene Reihe zu neuem Leben erweckt werden kann. „Star Trek“ wurde nun von J.J. Abrams entstaubt. Das Ziel: der Film sollen nicht nur Trekkies begeistern, sondern auch alle anderen Sci-Fi-Fans. Tatsächlich ist „Star Trek“ so actiongeladen wie ein „James Bond“-Thriller. Die Phaser-Kanonen der „Enterprise“ schießen so schnell wie ein Raumkreuzer aus „Star Wars“. Sogar einen Schwertkampf hat Abrams untergebracht. Und Romulaner-Kapitän Nero erinnert frappant an einen Sith-Lord aus der „Star Wars“-Saga.

Zeit zum Innehalten lässt Abrams den Zuschauern jedenfalls nicht. Auch der aus der alten Serie bekannte unterschwellige Humor und die philosophischen Einlagen in den Wortgefechten von McCoy und Spock haben trotz aller unendlichen Weiten keinen Raum im neuen „Star Trek“. Gestritten wird mit Fäusten und Laserwaffen und weniger mit Argumenten.

Der Film „Star Trek“ setzt als Sequel vor der Ur-Serie an, begibt sich also in die Rolle des „Wie alles begann“-Films, die mit einer gewaltigen Weltraumschlacht zwischen einem Romulaner-Schlachtschiff und der Sternenflotte startet. Mit an Bord ist die schwangere Frau von George Kirk. Kurz vor der Geburt seines Sohnes opfert sich der tapfere Offizier mitsamt des evakuierten Schiffes und macht so James T. Kirk zum Halbwaisen. Jahre später schafft es der junge Raufbold und Weiberheld Kirk (Chris Pine) doch noch an die Akademie der Sternenflotte, wo er auf den Ausbilder Spock (Zachary Quinto) trifft. Statt Freundschaft ist die Beziehung der beiden von tiefer Abneigung geprägt. Dass Kirk am ersten Einsatz der neuen „Enterprise“-Mannschaft überhaupt teilnehmen kann, hat er seinem Freund „Pille“ (Karl Urban) zu verdanken. Der Einsatz zum Vulkan erweist sich als Hinterhalt, auch sonst verläuft die Mission alles andere als planmäßig.

Der Film von J.J.Abrams ist übrigens der einzige „Star Trek“-Film, der mit einem Oscar ausgezeichnet wurde: 2010 erhielt der Film die Trophäe für das beste Make- up. Die Aussichten, James T. Kirk und die Mannschaft der „Enterprise“ noch mal als TV-Serie zu sehen, sind nach dem Flop des Vorläufers eher gering. Eine Fortsetzung im Kino ist indes bereits geplant. Mit Chris Pine und Zachary Quinto wurden Vorverträge geschlossen, noch soll das Drehbuch fehlen. In der Filmdatenbank IMDB ist die Fortsetzung jedenfalls als „Untitled Star Trek Sequel“ auch bekannt unter „Star Trek 2“ und „Star Trek XII“ für 2012 eingetragen, wobei einiges auf eine spätere Premiere in 2013 hindeutet.

„Star Trek“ (2009), Pro 7, Sonntag um 20 Uhr 15

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