Seifenoper auf Südafrikanisch : Wie im richtigen Leben

Die südafrikanische Soap „Isidingo“ spiegelt seit 15 Jahren die Zerrissenheit der Kap-Republik wider. Kriminalität, Armut oder Korruption stehen im Zentrum der Geschichten.

Gemischte Ehen, Aids, Kriminalität – die südafrikanische TV-Serie „Isidingo“ nimmt kein Blatt vor den Mund. Foto: dpa
Gemischte Ehen, Aids, Kriminalität – die südafrikanische TV-Serie „Isidingo“ nimmt kein Blatt vor den Mund. Foto: dpaFoto: dpa

Südafrikas traditionsreichste Seifenoper ist mehr als nur die übliche Dramatik von persönlichen Leidenschaften, Triumphen und Intrigen schöner Menschen. „Isidingo“ spiegelt seit mehr als 15 Jahren auch die Probleme und Konflikte einer tief zerrissenen Gesellschaft wider, in der die Wunden der rassistischen Apartheid-Zeit vor 1994 noch lange nicht verheilt sind.

Die Geschichte um den mächtigen Minenbesitzer Barker Haines sowie die Bergleute und ihre Familien des fiktiven Ortes Horizon Deep lockte zu ihren besten Zeiten mehr als vier Millionen Zuschauer vor den Bildschirm. Und noch immer gehört die Serie, die ebenso in prächtigen Villen wie in ärmlichen Hütten spielt, zu den beliebtesten Seifenopern.

Die hohen HIV-Quoten werden thematisiert

Die werktags im staatlichen Sender SABC 3 ausgestrahlte Sendung hat sich einen Namen gemacht, weil sie mit Tabus brach. „Wir sind besonders, weil wir in unseren Geschichten kein Thema auslassen“, sagt die TV-Produzentin Pumla Hopa. In „Isidingo“ (übersetzt: die Notwendigkeit) wurde zum Beispiel die Hochzeit eines Schwarzen und einer Weißen zelebriert – gemischte Ehen sind in der südafrikanischen Realität noch immer seltener als in den USA oder in Europa.

Südafrikas Plagen – wie Kriminalität, Armut oder Korruption – sind ebenso in Familien- oder Liebesgeschichten eingefädelt wie gewalttätige Arbeitskämpfe in den Goldminen. Die Serie helfe, „dass Familien ein Gespräch über schwierige Themen anfangen“, meinte Hopa. „Wir hoffen, dass wir da einen positiven Einfluss haben.“ Andere Episoden griffen schon vor Jahren die verheerend hohe Quote von HIV-Infizierten auf – als die Regierung das Thema noch völlig ignorierte. Am Welt-Aidstag 2011 ging die Isidingo-Schauspielerin Lesego Motsepe mit ihrer Krankheit sogar an die Öffentlichkeit.

Kritik für "korrigierende Vergewaltigung" lesbischer Frauen

Fast ein Skandal war es, als „Isidingo“ in einer Episode die Hochzeit von Homosexuellen zeigte, in der sich die Brautleute vor der Kamera küssten. Obwohl seit 2006 gleichgeschlechtliche Ehen gesetzlich erlaubt sind, war die Episode eine Sensation. Denn ungeachtet der Hautfarbe sind die meisten Südafrikaner stark von Traditionen und konservativen gesellschaftlichen Idealen geprägt.

Aber auch Exzesse wie die „korrigierende Vergewaltigung“ lesbischer Frauen und Probleme wie die Fremdenfeindlichkeit oder die Macht von traditionellen Heilern, den „Sangomas“, finden sich in den ambitionierten Drehbüchern von „Isidingo“. „Die Serie repräsentiere „einen Mikrokosmos Südafrikas“, meinte einmal Produzent Gray Hofmeyr.

Im Zentrum des preisgekrönten Formates steht die Milliardärsfamilie um den viel gehassten Patriarchen Barker Haines, dem Herrn der Minenstadt nahe Johannesburg. Die einfachen Menschen finden sich in der (schwarzen) Familie Matabane wieder. Vor allem das Familienoberhaupt Zebedi hat in dem Bergbaustädtchen allerhand Einfluss und Autorität. Weitere Schauplätze sind eine kleine, von der schwergewichtigen, weißen Maggie Webster geführten Herberge und ein fiktives Fernsehstudio „ON TV“.

Die Serie hat Fans in allen gesellschaftlichen Gruppen

In „Isidingo“ wird meist Englisch gesprochen, manchmal aber auch Xhosa oder Zulu – dann mit englischen Untertiteln. Die Serie hat auch deshalb Fans in allen gesellschaftlichen Gruppen. „Ich kann mich in manchen Personen wiederfinden, und es geht um die Probleme, die wir wirklich im Land haben“, meinte das Kindermädchen Lizzy Mawete. „Isidingo ist großartig, es ist wie im richtigen Leben“, fasst die Putzfrau Noziswe Langa die Faszination der Soap zusammen.

Manchmal spielt auch die private Realität eine große Rolle für die Drehbücher. Als die Schauspielerin Ashley Callie, die eine Tochter von Haines spielte, 2008 bei einem Verkehrsunfall starb, schnitten die TV-Macher alte Filmschnipsel zusammen, konstruierten ein kleines Drama und ließen auch die Figur, die Callie verkörpert, sterben. dpa

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