Medien : Selbstbewusst gegen die NPD

Journalisten diskutieren Umgang mit Rechtsextremen

Birte Hedden

Viele Journalisten fühlen sich weiterhin unsicher im Umgang mit Rechtsextremen. Die Zeiten, als Funktionären von NPD und DVU in Live-Interviews rigoros der Mund verboten wurde, wie noch nach den Wahlen in Sachsen und Brandenburg im vergangenen Jahr geschehen, sind zwar vorbei. Wie man sich gegenüber Rechtsextremen journalistisch verhalten sollte, weiß jedoch keiner genau. Das zeigte auch eine Diskussion, die der Verein Berliner Journalisten am Donnerstag in der Katholischen Akademie veranstaltete.

Soll man Funktionären von NPD und DVU ein Forum bieten? Wenn ja, in welcher Form? Das waren die drängendsten Fragen des Abends. Einig war man sich, dass Deutschland eine besondere Verantwortung im Umgang mit Rechtsextremen habe, und Journalisten hier besonders unter Druck stünden. Die Menschen erwarteten, dass sich Journalisten in Interviews „auf eine Seite schlagen, um das Böse zu bekämpfen“, sagte Dagmar Engel, Chefredakteurin von Deutsche Welle TV. Viele versuchten, Rechtsextreme zu entlarven. „Das funktioniert aber nie“, sagte Engel. Die Extremen seien in Bezug auf Medien trainiert.

Darum lehnt Frank Jansen, Redakteur beim Tagesspiegel, Interviews mit Spitzenfunktionären extremer Parteien ab. Jansen forderte hingegen eine kontinuierliche Berichterstattung über Rechtsextremismus. Bisher hätten es die Medien versäumt, Experten heranzubilden, die sich über Jahre mit der rechtsextremen Szene beschäftigten. Extremismus sei in vielen Redaktionen nur in Wahlzeiten ein Thema.

Der frühere stellvertretende Chefredakteur des NDR, Joachim Wagner, warnte davor, „die Unfallgefahr in der Live-Berichterstattung“ zu hoch zu bewerten. Live-Begegnungen seien zwar die schwierigsten, weil man sich bei Rechtsextremen nie sicher sein könne, ob sie sich an Regeln hielten. Aber bei gründlicher Vorbereitung und der üblichen distanzierten Herangehensweise, seien auch diese Situationen zu meistern.

Michael Neugebauer, Fortbildungsleiter der Electronic Media School in Potsdam, betonte, dass der Umgang mit Rechtsextremen für Journalisten weniger ein handwerkliches, sondern vor allem ein „psychologisches Problem“ sei. Auch Rechtsextreme müsse man wie jeden anderen Gesprächspartner schätzen.

Selbstbewusst sollten Journalisten auf Rechtsextreme zugehen, sagte Frank Jansen. Etwas, das sich nur schwer üben lässt.

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